Was ist Östrogen?
Östrogene – auch Estrogene, abgekürzt E – ist der Oberbegriff für die weiblichen Hormone wie Östron, Östradiol und Östriol. Sie werden im Eierstock, in der Plazenta sowie in der Nebennierenrinde gebildet. Auch beim Mann kommen Östrogene vor. Sie werden zum Beispiel im Hoden produziert. Angeregt wird die Östrogenbildung durch das Follikel-stimulierende Hormon (FSH) aus dem Hypophysenvorderlappen (= Vorderlappen der Hirnanhangdrüse).
Östrogene sind an der Steuerung des Menstruationszyklus beteiligt. Sie sorgen dafür, dass der Follikel (Ei mit umgebendem Gewebe) im Eierstock heranreift. Unter Östrogeneinfluss verändert sich der Schleimpfropf im Gebärmutterhals zum Zeitpunkt des Eisprungs so, dass die Spermien leichter hindurchwandern können.
Östrogene können Wassereinlagerungen begünstigen. Sie hemmen aber auch den Knochenabbau und erhöhen die Konzentration des sogenannten guten HDL-Cholesterins.
Das "Haupt-Östrogen" Östradiol wird sehr schnell in der Leber abgebaut. Daher eignet es sich eher nicht zur Einnahme als Tablette. Die Östrogene der "Pille" sind deshalb chemisch etwas anders aufgebaut als die natürlichen Hormone.
Welcher Wert ist normal?
Bei Frauen in der ersten Zyklushälfte beträgt die Konzentration des "Hauptöstrogens" Östradiol 20‑115 ng/l. Während des Eisprungs liegt sie bei 60‑690 ng/l, wobei sie in der zweiten Zyklushälfte auf 25‑310 ng/l abfällt. Frauen nach den Wechseljahren (Postmenopause) weisen einen Wert von weniger als 28 ng/l auf.
Bei Männern beträgt die Östradiolkonzentration zwischen 11 und 44 ng/l.
Bei Kindern bis 13 Jahren liegen die Östradiolwerte unter 20 ng/l.
Wann steigt der Wert?
Die Östrogene, vor allen Dingen das Östradiol, steigen in der ersten Zyklushälfte an. Kurz vor dem Eisprung ist der Anstieg rasant. Dies bewirkt einen ebenfalls sprunghaften Anstieg des Luteinisierenden Hormons (LH). Das LH löst schließlich den Eisprung aus. Die Östrogenkonzentration nimmt schon zu diesem Zeitpunkt wieder rapide ab.
In der Schwangerschaft steigt der Östrogenwert stark an, in dieser Zeit werden die Östrogene hauptsächlich von der Plazenta produziert. Der Wert erreicht seinen Höchstpunkt zum Ende der Schwangerschaft.
Östrogene werden vor allem in der Leber abgebaut und größtenteils über die Niere ausgeschieden. Erhöhte Östrogenwerte können damit auch bei Leber- und Nierenschädigungen auftreten. Zu hohe Östrogenwerte können aber auch auf Tumoren mit Östrogenproduktion hinweisen.
Wann ist der Wert zu niedrig?
Die Östrogenkonzentration fällt schon kurz vor dem Eisprung wieder rapide ab. Zwar gibt es in der zweiten Zyklushälfte noch einmal einen leichten Anstieg, doch dann nimmt die Konzentration weiter ab.
Da die Östrogenproduktion durch das Follikelstimulierende Hormon (FSH) aus dem Hypophysenvorderlappen angeregt wird, können die Werte dann zu niedrig sein, wenn eine Funktionsstörung des Hypophysenvorderlappens besteht. Aber auch die Eierstöcke selbst können bei Funktionsstörungen zu wenig Östrogene produzieren.
Kurz gesagt:
Östrogene sind weibliche Hormone, die an der Steuerung des Zyklus beteiligt sind und in der Schwangerschaft eine wichtige Rolle spielen. Sie werden bei Frauen in den Eierstöcken, von der Plazenta und in der Nebennierenrinde produziert. Das Follikelstimulierende Hormon (FSH) der Hypophyse regt die Östrogenbildung an. Östrogene wirken auch auf den Stoffwechsel und die Knochenbildung ein. Sie kommen in geringen Mengen auch beim Mann vor.
Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor unterscheiden. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Sie müssen im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.
Dr. med. Dunja Voos / www.apotheken-umschau.de; 02.12.2011
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