Schirmer-Test: Der Augenarzt bringt dabei vorsichtig einen Teststreifen in den unteren Bindehautsack ein
Der Schirmer-Test ist ein Diagnoseverfahren, mit dem der Augenarzt die Tränenbildung überprüft. Er benutzt dafür ein spezielles Filterpapier (Lackmuspapier), das sich in einem definierten Zeitraum mit Tränenflüssigkeit vollsaugt. Produziert das Auge zu wenig Tränen, kann ein sogenanntes Sicca-Syndrom („trockene Augen“) vorliegen. Dabei wird nicht nur zu wenig Tränenflüssigkeit produziert, sie ist auch anders zusammengesetzt.
Das Auge versucht gegenzusteuern und produziert vermehrt Flüssigkeit, die jedoch die Hornhaut nicht genügend befeuchten und schützen kann. Besonders ausgeprägt ist das „trockene Auge“ bei dem nach einem schwedischen Arzt benannten Sjögren-Syndrom. Dabei sind nicht nur die Bindehaut sondern auch andere Schleimhäute betroffen. Der Schirmertest hilft dem Augenarzt bei der Diagnose.
Wie funktioniert der Schirmer-Test?
Es gibt zwei verschiedene Testmöglichkeiten. Bei dem sogenannten Schirmer 1 bringt der Augenarzt an jedem Auge vorsichtig je einen kleinen Teststreifen in den unteren Bindehautsack ein. Danach schließt der Patient die Augen. Das Filterpapier saugt innerhalb von fünf Minuten eine unterschiedlich große Menge Tränenflüssigkeit auf, die der Arzt danach begutachtet. Die Teststreifen bestehen aus einem dünnen Filterpapier, das mit Lackmus getränkt ist. Wird der Streifen mit Tränenflüssigkeit vollgesaugt, ändert der angefeuchtete Bereich seine Farbe. Dieser Test wird nur noch selten angewandt.
Meistens kommt der Schirmer II Test zum Einsatz, der ähnlich funktioniert. Damit misst der Augenarzt die sogenannte Basalsekretion der Tränen. Beide Augen werden mit einem lokal wirkenden Mittel betäubt. So werden sie gegenüber Reizungen – etwa dem Filterpapier – unempfindlich und zeigen an, wie viel Tränenflüssigkeit ohne äußere Einflüsse abgesondert wird.
Was bedeuten die Ergebnisse? Was lässt sich daraus schließen?
Normalerweise hat sich nach fünf Minuten eine mindestens zwanzig Millimeter lange Strecke auf dem Teststreifen verfärbt. In diesem Fall wird genug Tränenflüssigkeit gebildet, der Schirmer-Test ist negativ.
Ist die befeuchtete Strecke kürzer als zwanzig Millimeter, ist der Tränenfluss verringert. Der Augenarzt spricht von einem positiven Schirmer-Test.
Der Nachweis kommt infrage, wenn das Auge auffällig trocken erscheint, brennt oder sogar stark tränt und zu Entzündungen an Bindehaut (Konjunktivitis) oder Hornhaut (Keratitis) neigt.
Welchen Nutzen hat der Schirmer-Test?
Anhand der Teststreifen bekommt der Augenarzt rasch einen ersten Eindruck über die Tränensekretion. Ist sie verringert, kann er nach den möglichen Ursachen forschen und den Patienten entsprechend behandeln.
Worauf ist zu achten?
Das trockene Filterpapier kann die Augen reizen, wenn es aufgelegt wird. Manche Patienten empfinden den Schirmer-Test daher als unangenehm. Allerdings trifft dies fast ausschließlich auf den nur noch selten verwendeten Schirmer 1 Test zu.
Der Test liefert keine absolut zuverlässigen Ergebnisse. Teilweise reizt das Filterpapier das Auge so stark, dass es vermehrt tränt. Dadurch werden „trockene Augen“ unter Umständen nicht erkannt.
Nach dem Schirmer-Test sollten Patienten für mindestens zwei Stunden keine Kontaktlinsen tragen.
Unser Experte: Professor Dr. med. Thomas Berninger ist Facharzt für Augenheilkunde
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
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13.09.2005, aktualisiert am 04.10.2010
Bildnachweis: W&B/Privat, Mauritius/Phototake
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