Was für die Briten schon eine Art Volkssport ist, wird in Deutschland noch sehr oft belächelt. Doch auch hier steigt die Zahl der Naturfreunde, die auf die Pirsch gehen, um Vögel in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Auf dem Reisemarkt hat sich inzwischen ein Spezialsektor mit Angeboten zum „Birdwatching“ entwickelt.
Die 14 deutschen Nationalparks sind längst bestens auf den Ansturm der Naturliebhaber vorbereitet. Zum Standardangebot zählen organisierte Exkursionen, die von vogelkundigen Experten geleitet werden. Vor allem Einsteiger buchen die spannenden und lehrreichen Ausflüge. Die Teilnehmer erfahren interessante Details über Gefieder, Gesänge, Balz- und Brutverhalten.
„Viele Menschen kennen beispielsweise die Nachtigall nur aus Erzählungen und sind begeistert, wenn sie während einer Exkursion ihren Gesang bewusst wahrnehmen können“, erzählt Julian Heiermann, Ornithologe beim Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) in Berlin.
Im Nationalpark Berchtesgaden wandern die Besucher zu den Lebensräumen des Steinadlers, im Nationalpark Müritz begeistern die Federower Fischadler. Wer sich mit Gänsen und anderen Wasservögeln näher beschäftigen möchte, dem ist beispielsweise der Nationalpark Wattenmeer zu empfehlen. Die Schutzstation am Westerhever Leuchtturm organisiert Wochenenden, bei denen unter fachlicher Begleitung Nonnengänse, Seeschwalben oder Regenpfeifer aus nächster Nähe beobachtet werden können.
Gartenrotschwanz: In Deutschland zum Vogel des Jahres 2011 gewählt
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Weißstorch: Der Zugvogel pendelt zwischen Mitteleuropa und Afrika
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Brandgans: Sie gehört zu den Entenvögeln und ist auch an den deutschen Küsten zu Hause
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Eisvogel: Er fühlt sich an europäischen Gewässern wohl
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Größere Vögel gibt es dagegen im brandenburgischen Rühstädt zu bestaunen. Hier lassen sich alljährlich unzählige Klapperstörche nieder. Auf ihre gefiederten Gäste sind die Bewohner des storchenreichsten Dorfs Deutschlands besonders stolz. Im vergangenen Jahr haben dort 33 Storchenpaare insgesamt 59 Jungvögel aufgezogen. Informationen über die Klapperschnäbel erhält der interessierte Vogelbeobachter im Besucherzentrum vor Ort.
Wichtig: In Nationalparks niemals die Wege verlassen und vor allem auch am Wattenmeer den Brutplätzen der Vögel nicht zu nahe kommen. Die Tiere fühlen sich sonst bedroht und flüchten. Der Versuch, sie aus nächster Nähe zu betrachten, endet dann mit einer Enttäuschung.
Exotische Vögel in Costa Rica
Doch der Trend zur Vogelbeobachtung im Urlaun führt noch weiter. So offerieren seit vielen Jahren auch spezielle Reiseveranstalter geführte Gruppenreisen in besonders interessante Vogelerkundungsgebiete. Der größte deutsche Anbieter für Vogelbeobachtungsreisen, Birdingtours, arbeitet mit dem NABU zusammen und hat für das Jahr 2011 rund 90 Reisen im Programm.
„Unser Schwerpunkt sind drei- bis fünftägige Kurzreisen innerhalb Deutschlands, die auch am häufigsten gebucht werden“, sagt der Geschäftsführer Rainer Stoll. Je nach Erfahrung des Reisenden gebe es verschiedene Konzepte. Im Katalog sind die Angebote nach fünf Schwierigkeitsgraden gekennzeichnet – von leichten Touren, die auch für ältere Menschen geeignet sind, bis hin zu schwierigen Expeditionen für Hobbyornithologen. Wer möchte, kann sogar seltene Vogelarten im Regenwald Costa Ricas oder bei einer Polarexpedition in der Arktis erspähen.
Oder Sie schließen sich einer kleinen Erkundungstour zu Hause an: Naturschutzvereine und Ortsgruppen des NABU bieten regelmäßig Exkursionen an, die oft in Stadtparks oder auf alte Friedhöfe führen, wo sich zahlreiche Vögel in alten Bäumen tummeln. Die Artenvielfalt in unseren Siedlungsräumen sei nicht zu unterschätzen, erklärt NABU-Experte Julian Heiermann.
Denn durch Mähen, Düngen und Schädlingsbekämpfung würden in den landwirtschaftlich geprägten ländlichen Gebieten die Lebensräume vieler Arten zerstört, die sich dann in Siedlungsräumen Rückzugsmöglichkeiten suchen – und glücklicherweise manchmal auch finden.
Ausrüstung für Anfänger:
Fernglas: Für Einsteiger genügt ein Fernglas mit acht- bis zehnfacher Vergrößerung. Qualitativ gute Gläser gibt es im Fachhandel ab etwa 150 Euro, ernsthafte Vogelbeobachter sollten mindestens 400 Euro anlegen.
Literatur: Spezielle Bücher ermöglichen eine genaue Bestimmung der Vogelarten. Sie berücksichtigen die unterschiedlichen Gefieder von Alt- und Jungvögeln, Männchen und Weibchen sowie den Gesang der Tiere. Hilfreich können auch Vogelstimmen-CDs oder entsprechende Software-Programme für Smartphones („Apps“) sein.
Adressen:
Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU),
Bundesgeschäftsstelle
Charitéstraße 3, 10117 Berlin
Infotelefon: 030/28 49 84-60 00
www.nabu.de *
Birdingtours
Franz-Hess-Straße 2,
79282 Ballrechten
Telefon: 076 34/5 04 98 45
www.birdingtours.de *
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Christian Krumm / Apotheken Umschau;
15.07.2011, aktualisiert am 27.04.2012
Bildnachweis: Wildlife GmbH/D.Harms, Zoonar/Helge Schulz, Wildlife GmbH/M. Varesvuo, Okapia/Willi Rolfes, F1 online Bildagentur GmbH/moodboard
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