Wer weiß schon, dass wir über zwei Sitzbeine und damit auch zwei Sitzknochen verfügen? Hat doch, wer an den „verlängerten Rücken“ denkt, spontan meist den großen Gesäßmuskel oder Musculus Glutaeus maximus im Blick. Der Glutäus (Glutaeus) reicht vom Kreuzbein (ziemlich weit oben, etwa dort, wo die Pofalte beginnt, liegen innen die beiden Muskelkuppeln) und den beiden Beckenschaufeln bis zum Oberschenkel hinten und seitlich. Bei gutem Trainigszustand ist der Glutäus nicht nur Garant für einen wohlgefälligen Po. Er gibt uns Halt im Stehen und hilft kräftig beim Gehen und Treppensteigen mit.
An die Sitzknochen denken vor allem Radler oft mit Missvergnügen – aus nahe liegenden Gründen. Beim Stehen werden die kufenartigen Sitzknochen von den Gesäßmuskeln bedeckt. Normaler Körperbau vorausgesetzt, liegen die Sitzknochen beim Sitzen direkt unter der Haut, weil die Gesäßmuskeln dann zur Seite rücken. Die Sitzknochen gehören zum Sitzbein. Das ist wiederum der untere Teil des Hüftbeins.
Die oberen Teile des Hüftbeins bilden die Beckenschaufeln. Diese verbinden sich mit dem Kreuzbein zu den Kreuz-Darmbein- oder Iliosakralgelenken, kurz ISG (die Beckenschaufeln heißen auch Darmbeine). Das Kreuzbein ist nockenwellenartig in die Beckenschaufeln eingelassen, damit es durch das Körpergewicht nicht nach unten rutscht. Auch beim Gehen, Laufen und Springen wirken auf diese gelenkartigen Verbindungen am Kreuz starke Kräfte ein. Daher geben straffe Bänder zusätzlich Halt. Den Iliosakralgelenken bleibt dadurch allerdings wenig Spielraum für Bewegungen. Ihre Restbeweglichkeit überträgt aber noch eine gewisse Elastizität auf das Becken und federt die Bewegungen der Wirbelsäule ab. Am Kreuzbein teilt sich die Körperachse auf die Hüftbeine auf. Hier gibt es ja rechts und links noch zwei weitere, diesmal sehr bekannte Gelenke, nämlich die Hüftgelenke. Sie leiten die Traglast auf die Beine über und haben darüber hinaus motorisch viele Möglichkeiten. Daher müssen die vorgeschalteten ISG ein fester Bezugspunkt sein.
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17.07.2009, aktualisiert am 14.05.2012
Bildnachweis: W&B/Martina Ibelherr
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