Raucher atmen mit jeder Zigarette mehr als 8000 Substanzen ein. 90 davon sind nachweislich krebserregend. Lungenkrebs und Impotenz sind nur zwei der unzähligen Folgen, mit denen Raucher rechnen müssen. Wer nicht auf seine Glimmstängel verzichten kann, sollte sich auch darauf einstellen, bereits im mittleren Alter um rund zehn Jahre älter auszusehen. Studien mit eineiigen Zwillingen, von denen nur einer rauchte, zeigten erschreckende Bilder: So wurde aus dem jahrelang qualmenden Geschwister zumindest optisch auf einmal der „große Bruder“ oder die „große Schwester“. Warum das so ist, erklärt Dr. med. Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Krebsprävention im Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.
Wie entstehen die Falten eines Rauchers?
Mit rund zwei Quadratmetern Oberfläche ist die Haut das größte Organ des Menschen. Die mittlere Hautschicht, die auch Lederhaut genannt wird, besteht aus einem Netzgeflecht von Kollagenfasern und elastischen Fasern. Darin eingebettet befinden sich Blutgefäße, Drüsen, Sinneszellen und Haarwurzeln. Zusammen bilden sie ein fein abgestimmtes System – ein System, das durch Rauchen aus dem Gleichgewicht gerät: „Die negative Wirkung auf die Haut durch Tabakrauch beruht auf mehreren Wirkmechanismen“, erklärt die Expertin für Tabakprävention. „Das Nikotin fördert den Abbau der Kollagenfasern und der elastischen Fasern. Dadurch kommt ein Schrumpfungsprozess der Haut in Gange und Falten entstehen.“ Im Zigarettenrauch ist außerdem das giftige Kohlenmonoxid enthalten, das hochdosiert zum Ersticken führt. Gelangt Kohlenmonoxid in den Körper, versucht es sich an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin zu binden, der eigentlich Sauerstoff im Körper transportiert. Haut und Organe werden dadurch schlechter durchblutet. Nikotin macht die Gefäße zusätzlich enger, so Pötschke-Langer. Ein 40-jähriger Raucher, der täglich 20 Zigaretten konsumiert, sieht damit unter Umständen rund zehn Jahre älter aus als ein gleichaltriger Nichtraucher.
Warum haben Raucher schlechtere Haut und eine geschwächte Abwehr?
Tabakkonsum lässt Kollagenfasern nicht nur schneller absterben. Es hemmt auch deren Neubildung. Hat man eine Wunde, ist Kollagen für einen raschen Verschluss der Haut unverzichtbar. Weniger Kollagen bedeutet deshalb auch eine schlechtere Wundheilung. Hinzu kommt, dass Rauchen nicht nur die Durchblutung hemmt, sondern auch die Blutbildung selbst. Es entstehen also auch weniger Immunzellen. „Raucher haben ein größeres Risiko für Wundheilungsstörungen und Entzündungen – insbesondere bei Operationen“, sagt Pötschke-Langer.
Unter Nikotinsüchtigen leiden 40 Prozent an Akne, während es unter Nichtrauchern nur 25 Prozent sind. Die Akne zeigt sich außerdem umso stärker, je mehr geraucht wird. „So wird etwa bei der Akne inversa – eine sehr schlimme, tiefgehende Form der Akne – ein starker Zusammenhang mit Tabakkonsum vermutet“, warnt die Expertin. Einigen Statistiken zufolge leiden Raucher auch wesentlich häufiger an Schuppenflechte (Psoriasis).
Forscher finden zudem immer mehr Zusammenhänge zwischen Rauchen und Krebs heraus. „Weil Rauchen das Immunsystem unterdrückt, sind die Betroffenen stärker gefährdet, nicht nur an Lungenkrebs, sondern auch an schwarzem Hautkrebs oder Gebärmutterhalskrebs zu erkranken“, so Pötschke-Langer.
Können überzeugte Raucher den Folgen entgegenwirken?
Nein. Vor allem was die Haut angeht, können Raucher nicht eingreifen. „Die Giftwirkung ist zu stark, um ihr mit Cremes oder gar Nahrungsergänzungsmitteln entgegenwirken zu können“, so Pötschke-Langer. Wer etwas für seine Haut und seine Gesundheit tun will, für den führt kein Weg am Rauchstopp vorbei.
Wie ist die Prognose für angehende Nichtraucher? Gehen die Falten zurück?
Fakt ist: Falten, die durch jahrelanges Rauchen entstanden sind, bleiben für immer. Aber es gibt eine gute Nachricht: Wer das Rauchen aufgibt, wird schon nach einigen Tagen von einer deutlich besseren Wundheilung profitieren. „Was den Wundheilungsprozess angeht, hat ein Rauchstopp sehr schnell positive Auswirkungen, weil sich die Mikrozirkulation des Körpers rasch verbessert. Auch der beschleunigte Alterungsprozess gerät sofort wieder in einen normalen Zustand“, sagt die Leiterin der Krebsprävention in Heidelberg. Darüber hinaus erholen sich die Atemwege und das Lungenkrebsrisiko sinkt rapide ab.
Wie lässt sich der Regenerationsprozess unterstützen?
Martina Pötschke-Langer rät vor allem zu einer ausgewogenen Ernährung. „Sie können Ihrem Körper zusätzlich etwas Gutes tun, indem Sie viel Wert auf vitaminreiche und vollwertige Kost legen. Schalten Sie außerdem bei Geräuchertem und Fleischprodukten einen Gang runter“, rät die Expertin. Um zusätzlich den Stoffwechsel und die Durchblutung anzukurbeln, empfiehlt sie, sich täglich eine halbe Stunde an der frischen Luft zu bewegen.
Bastian Fersch / www.apotheken-umschau.de;
19.09.2011
Bildnachweis: Jupiter Images/Thinkstock
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