Heutzutage beraten Apotheker in erster Linie zu Arzneimitteln. Künftig könnten sie jedoch auch über Vorsorgeangebote informieren
Je früher eine Krankheit entdeckt wird, umso effektiver lässt sie sich behandeln. Deshalb sind Vorsorgeuntersuchungen so wichtig – ob dies ein einfacher Blutzuckertest ist oder eine Darmspiegelung. Das Problem: Kaum einer nutzt die Angebote, obwohl viele von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Dr. Ursula Kramer, Apothekerin und Leiterin der Akademie Präventionspartner in Freiburg, hat in einer Studie untersucht, wie sich diese Situation verbessern ließe. Dafür erhielt Kramer in der Kategorie „Beste wissenschaftliche Arbeit“ den Präventionspreis „hauptsache prävention!“, den das Wissenschaftliche Institut für Prävention im Gesundheitswesen jährlich vergibt.
Frau Kramer, Sie haben untersucht, warum die Deutschen gesetzliche Vorsorge- und Impfangebote so wenig nutzen. Was war der Hauptgrund?
Unwissenheit! Die Menschen wissen schlichtweg zu wenig darüber, welche Angebote es gibt und welche ihnen zustehen. Angst vor einer Vorsorgeuntersuchung oder Skepsis gegenüber Impfungen spielten deutlicher seltener eine Rolle.
Wie lässt sich der Informationsbedarf in Deutschland Ihrer Meinung nach verbessern?
Unsere Studie ergab, dass viele der Befragten heute das Internet nutzen, um sich über Gesundheitsfragen zu informieren. Sie gehen nicht als erstes zum Arzt oder Apotheker. Darauf sollten diese reagieren und die Chance besser nutzen, ihre Kunden auch im Netz zu erreichen. Im Moment bietet nur etwa die Hälfte der befragten Ärzte und Apotheker Informationen zu Vorsorge- und Impfleistungen auf der Praxis- oder Apothekenwebsite an!
Was müssten Arztpraxen darüber hinaus unternehmen?
Wir haben Arztpraxen befragt, ob – und wenn ja – wie oft sie Patienten auf Vorsorge- und Impfleistungen ansprechen. Wir bekamen häufig Antworten wie „wenn es sich ergibt“ oder „wir müssen häufig aus Zeitdruck ganz darauf verzichten“. Das muss sich ändern. Arzt und Arzthelferin sollten gerade bei Patienten, die schon länger nicht mehr in Behandlung waren, jeden Praxisbesuch nutzen, um den Impfschutz anzusprechen. Dies gelingt jedoch nur, wenn Praxismitarbeiter selbst gut informiert sind und regelmäßig an entsprechenden Fortbildungen teilnehmen.
Was könnten die Apotheken in diesem Zusammenhang leisten?
Die Mehrzahl der Apotheken bietet bereits Präventionsleistungen an. Sie messen zum Beispiel den Blutdruck oder Blutzucker. Sie könnten ihre Kunden aber auch über Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen informieren. In einer Studie, die noch bis Anfang Dezember läuft, haben wir Apothekenkunden gefragt, ob sie es gut fänden, wenn der Apotheker sie zum Thema Impfungen beraten würde. Die große Mehrheit sagte: ja. Genauso wie in den Arztpraxen müssen auch Apothekenmitarbeiter geschult werden, um Kunden konsequent ansprechen und aufklären zu können.
Eines Ihrer Studienergebnisse war, dass Ärzte und Apotheker besser zusammenarbeiten müssten. Wo hakt es im Moment?
Vorweg möchte ich sagen, dass sich nicht nur Praxen und Apotheken regional intensiver vernetzen sollten. Auch mit Krankenkassen-Niederlassungen, Gesundheitsämtern, Schulen und Altenheimen wäre ein Austausch sinnvoll. Derzeit gibt es nur wenige solcher regionalen Netzwerke. Keiner möchte in den Bereich des anderen vordringen. Doch was spricht gegen einen Aufklärungsabend zum Thema Darmkrebsvorsorge, den Arzt und Apotheker gemeinsam veranstalten und der vielleicht mit Unterstützung einer Krankenkasse organisiert wird? Letztlich würden alle profitieren – und das Thema Vorsorge käme endlich in der Bevölkerung an.
Die Preisträger von "hauptsache Prävention"
Kategorie beste wissenschaftliche Arbeit
1. Platz: Präventionsstudie 2010. Vorsorge- und Impfangebote besser nutzen: Ansatzpunkt für Apotheken und Arztpraxen, Dr. Ursula Kramer, Initiative Präventionspartner, Freiburg
2. Platz: Multidisziplinäre Interventionsstudien zur Optimierung der Arzneimitteltherapiesicherheit in Verordnung und Anwendung, Professor Thilo Bertsche, Universität Leipzig
3. Platz: GO!- Gesundheit und Optimismus für LehrerInnen, Alexandra Wieser, Graz
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Kategorie Beste Idee
1. Platz (Beste Idee aus der Apotheke): mediTimer – Ordnung ist das halbe Leben, Angelika Schulten, Dortmund
1. Platz (Beste Idee einer professionellen Einrichtung): Xund in BaWü, Beate Huber, Deutschen Diabetes-Stiftung München
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Kategorie Bestes Projekt
1. Platz (Bestes Projekt aus der Apotheke): HIV-Beratung in der Apotheke, Isolde Meyer, München
2. Platz (Bestes Projekt aus der Apotheke): Beratungsfächer "Orale Antidiabetika 2011", Qualitätszirkel Diabetes der Apothekerkammer Hamburg
3. Platz (Bestes Projekt aus der Apotheke): Give me five – Screening in der Apotheke,
Christian Lindinger, Passau
1. Platz (Bestes Projekt einer professionellen Einrichtung): Klasse2000 – Gesundheitsförderung, Sucht- und Gewaltvorbeugung in der Grundschule, Thomas Duprée, Verein Programm Klasse2000 e.V., Nürnberg
2. Platz (Bestes Projekt einer professionellen Einrichtung): Mitgehen am Mittwoch mit Ihrer Apotheke, Martina Kolbe, Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt e.V., Magdeburg
3. Platz (Bestes Projekt einer professionellen Einrichtung): Prävention mit Hochbetagten, Gerhard Preß, Bürgermeister der Stadt Rödental
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Kategorie Beste Kooperation Arzt/Apotheker auf dem Gebiet der Prävention
1. Platz: Laufgruppe Fit für 5 km, Jutta Doebel und Dr. Heinz-Albert Brüne, Erftstadt
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Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de;
25.11.2011
Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Henglein&Steets
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