Pflanzliche Mittel sind völlig harmlos, meinen viele Deutsche. Deshalb setzen sie oft auf Heilkräuter, um damit so manche Beschwerden wieder loszuwerden. Die meisten pflanzlichen Arzneien stellen tatsächlich eine milde Alternative zu synthetisch hergestellten Medikamenten dar und haben kaum Nebenwirkungen.
Doch so manches Kraut kann im Körper die Wirkung anderer Arzneimittel beeinflussen – sogenannte Wechselwirkungen mit ihnen eingehen. „Wer glaubt, ein pflanzliches Mittel verträgt sich auf jeden Fall mit dem, was der Arzt verordnet hat, liegt oft falsch. Nur wer sich auch bei pflanzlichen Arzneimitteln in der Apotheke beraten lässt, ist auf der sicheren Seite“, rät deshalb Dr. Martin Allwang, Apotheker und Leiter der pharmazeutisch-fachwissenschaftlichen Redaktion des Wort und Bild Verlages in Baierbrunn.
Johanniskraut und „die Pille“
Die Heilpflanze kann bei leichten depressiven Verstimmungen helfen. Sie aktiviert aber auch bestimmte Enzymsysteme in Leber und Darm, über die viele Stoffe – darunter zahlreiche Arzneimittel – abgebaut werden. Die Abbauprodukte scheidet der Körper wieder aus. Auf diese Weise kann Johanniskraut die Wirksamkeit von Cholesterinsenkern wie Simvastatin, Verhütungsmitteln oder auch dem Asthma-Mittel Theophyllin abschwächen.
Ginkgo und blutverdünnende Mittel
Ginkgo-Präparate sollen bei Durchblutungsstörungen und Gedächtnisproblemen helfen. Das Kraut beeinflusst daneben auch die Fließeigenschaften des Blutes. Das kann im Zusammenspiel mit der Einnahme gerinnungshemmender Medikamente möglicherweise die Blutungsneigung erhöhen. Allerdings ist noch nicht geklärt, wie intensiv dieser Effekt ist. Nehmen Sie jedoch Blutverdünner wie Phenprocoumon oder Acetylsalicylsäure ein, sollten Sie die Einnahme von Ginkgo vorher mit dem Arzt abklären.
Thymian und Dextromethorphan
Schleimlösende Kräuter wie Thymian, Primel oder Efeu zählen zu den Anti-Husten-Klassikern. Sie lösen zähes Sekret aus den Atemwegen und erleichtern so das Abhusten. Vermeiden Sie es aber, den pflanzlichen Hustenlöser direkt mit einem Hustenreiz-lindernden Mittel wie Dextrometorphan zu kombinieren. Das eine Medikament hebt die Wirkung des anderen auf. Wenden Sie dagegen morgens den Hustenlöser und abends den Hustenstiller an, spricht meistens nichts gegen eine Kombi.
Sennesblätter und Digitoxin
Sennesblätter dienen als Abführmittel. Sie greifen jedoch – vor allem bei zu häufigem Gebrauch hoher Dosen – in den Salz- und Flüssigkeitshaushalt des Körpers ein. Unter anderem geht dem Organismus verstärkt der Mineralstoff Kalium verloren. Dadurch kann der Arzneistoff Digitoxin, der bei Herzschwäche hilft, stärker wirken und unerwünschte Effekte auslösen.
Omega-3-Fettsäuren und Phenprocoumon
Die Fettsäuren kommen nicht nur in Fisch, sondern auch – in Tablettenform – als Nahrungsergänzungsmittel vor. Denn Omega-3-Fettsäuren werden positive Effekte auf Herz und Kreislauf zugesprochen. Da sie die Fließfähigkeit des Blutes beeinflussen, sollten die Fettsäuren nicht ohne Weiteres mit einem Blutverdünner wie Phenprocoumon eingenommen werden.
Tipp: Nehmen Sie nicht einfach verschiedene Medikamente zusammen ein. Theoretisch können bei zahlreichen Wirkstoffen Wechselwirkungen auftreten. Klären Sie deshalb im Vorfeld mit dem Arzt oder Apotheker ab, welche Mittel Sie bedenkenlos kombinieren dürfen.
Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de;
05.01.2010, aktualisiert am 05.09.2011
Bildnachweis: Fotolia/Robert Kneschke/2009
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