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Atemnot (Dyspnoe)
Wie "es uns atmet"

Sauerstoff ist in weiten Bereichen irdischen Lebens das Schlüsselmolekül. Lungen, Herz und Kreislauf stellen die zentrale Versorgerkette. Als Atempumpe dienen Atemmuskeln, Brustkorb, Brustfell und Atemwege. Für den Atemantrieb sorgt das Gehirn


Lungenbläschen: Hier findet der Gasaustausch statt

Die Lungen liefern uns beim Atmen den lebensnotwendigen Sauerstoff. Er ist der unersetzliche Brennstoff bei der „Zellatmung“ – also im Energie- und Baustoffwechsel des Körpers. Das dabei angefallene Kohlendioxid wird abgeatmet. Zwischen Ein- und Ausatmung sind die Atemgase im Blut gebunden und kreisen auf den Gefäßbahnen im Körper.

In einer ruhigen Minute atmen wir 13- bis 15-mal rund einen halben Liter Luft. Maßgeblich bewirken das außer den Lungen selbst die Atemmuskeln, allen voran das Zwerchfell, auch Querfell genannt. Es liegt zwischen Brust- und Bauchraum. Wenn es sich zusammenzieht, entsteht ein Unterdruck, der die Luft über die Atemwege in die Lungen saugt. Unterstützend wirken die Muskeln zwischen den Rippen und bestimmte Bauchmuskeln, die sogenannten Atemhilfsmuskeln. Die Ausatmung erfolgt in Ruhe passiv: Brustkorb und Lungen geben nach, die Luft entweicht durch die offene Stimmritze.


Atmung bedeutet Gastausch. Dazu bedarf es neben dem Antrieb auch bestimmter Regler. In der Tat verfügt der Körper über eine ganze Reihe davon: Sensoren für den Druck von Sauerstoff und Kohlendioxid, für den Säuregrad und für die Atemarbeit. Diese Sensoren werden auch Chemo-, Stoffwechsel-, Muskel- und Dehnungs-Rezeptoren genannt. Sie senden ihre Informationen an das Atemzentrum im Hirnstamm. Es regt die Atemmuskulatur an. Gleichzeitig empfängt es Signale übergeordneter Zentren im Gehirn. Eventuelle Datenkonflikte führen zu „Fehlermeldungen“. Dann spüren wir, wenn es um die Atmung geht, womöglich Atem- oder Luftnot (Dyspnoe).

Wir empfinden dann zum Beispiel Luftmangel, vermittelt durch die Chemo- und Stoffwechselrezeptoren. Oder eine Brustenge, ausgehend von Signalen der Muskel- und Dehnungsrezeptoren. Diese schlagen bei erschwerter Atemarbeit Alarm. Das kann bei einer Muskelerkrankung, die auch die Atemmuskulatur schwächt, der Fall sein, oder bei Asthma. Jedes Mal geht mit dem angestrengten Atmen das Gefühl einher, keine Luft mehr zu bekommen.

In großer Höhe, in der frühen Schwangerschaft durch die hormonelle Umstellung (also lange, bevor in der Spätschwangerschaft das Ungeborene viel Platz braucht und damit das Atmen auch mechanisch erschwert), bei Blutarmut, Fieber oder unter dem Einfluss bestimmter Arzneimittel kann das Atemzentrum zum Beispiel das Signal „erhöhter Sauerstoffbedarf“ erhalten und an die übergeordneten Gehirnzentren weitermelden. Dort wird die Botschaft unter Umständen als Dyspnoe entschlüsselt.

Das Atemzentrum im Hirnstamm regelt die Atmung grundsätzlich automatisch – weder müssen wir daran denken noch können wir es längere Zeit unterdrücken. Der Atemantrieb funktioniert natürlich auch im Schlaf – den Normalzustand vorausgesetzt.
 Schlafbezogene Atemstörungen, also die Schlafapnoe mit und ohne Verlegung der Atemwege, sind ein eigenes Thema. Denn in diesem Beitrag geht es um Atemnot, die als Wahrnehmung an das Bewusstsein gebunden ist. Allerdings können nächtliche Atemprobleme indirekt eine Rolle spielen. Der dabei wiederholt auftretende Sauerstoffmangel kann nämlich einen Lungenhochdruck und damit verbunden eine Überlastung des Herzens auslösen (Cor pulmonale, siehe Kapitel „Lungengefäße, Lungenkreislauf“) oder eine Tendenz dazu verstärken.

Das Gehirn gibt der Atmung bis zur obersten Bewusstseinsebene hin unendlich viele Impulse. Zum Beispiel den Entschluss, genau in diesem Augenblick beim Lesen einmal tief durchzuatmen.

Dass auch die Psyche auf die Atmung Einfluss nimmt, etwa bei starken Gefühlsregungen, wurde im Zusammenhang mit der Angst eingangs („Überblick“) schon gesagt. Auch Atemstörungen wie die Hyperventilation, eine gesteigerte Atmung, oder die Wahrnehmung von Atemnot können manchmal psychisch bedingt sein. Mehr dazu im Kapitel „Psychische Ursachen: Hyperventilation“.



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Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de ; 08.08.2010, aktualisiert am 15.05.2012
Bildnachweis: Imagesource/RYF

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