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Atemnot (Dyspnoe) – Ursachen: Erkrankungen der Muskeln, Nerven und des Skeletts

Ohne Muskeln keine Atmung. Das bedeutet: Störungen der Muskeln und Nerven können die Atmung erheblich erschweren


Auch Erkrankungen des Skeletts können zu Atemnot führen

Der größte Atemmuskel, das Zwerchfell, bewegt bis zu zwei Drittel der Atemluft. Beim Einatmen zieht es sich zusammen, die Lungen dehnen sich nach unten aus. Die Atemhilfsmuskeln des Brustkorbs unterstützen die Atembewegungen. Alle Atemmuskeln sind willkürlich aktivierbar. Grundsätzlich sorgt aber das Gehirn mit seinen Impulsen dafür, dass wir nicht ans Atmen denken müssen und automatisch Luft holen.

Muskelschwäche oder Lähmungen können grundsätzlich auch die Atemmuskulatur betreffen. Beispiele hier: Die Poliomyelitis, die aber durch die Impfung inzwischen bei uns stark zurückgedrängt wurde, oder andere neurologische Erkrankungen. Hier kommen zum Beispiel Muskeldystrophien, Muskelatrophien oder die Myasthenia gravis infrage. Mitunter  sind bei diesen Erkrankungen auch Schluckstörungen möglich (der Beitrag „Schluckstörung" geht teilweise näher auf die genannten Krankheitsbilder ein; ansonsten siehe Kapitel „Muskeln, Nerven und Skelett" in diesem Beitrag). Auch eine Überfunktion der Schilddrüse oder eine Kortison-Behandlung kann die Muskulatur beeinträchtigen.


Symptome: Ist die Atemmuskulatur geschwächt, kommt es zu Hypoventilation und subjektiv zu Atemnot: Die Atmung ist hier durchgehend unzureichend und kann den nötigen Gasaustausch nicht mehr gewährleisten. Weitere Symptome hängen von der Grunderkrankung ab.

Therapie: Bei unzureichendem Gasaustausch ist eine Beatmung nötig. Die Grunderkrankung wird, wenn möglich, zusätzlich gezielt behandelt. Eine wichtige Rolle spielt auch die physikalische Therapie.

Zwerchfell-Lähmung

Zwerchfell-Lähmungen treten meistens auf einer Seite auf. Manchmal sind sie angeboren. Häufigste erworbene Ursachen sind Tumoren, die den Nerven bedrängen, zum Beispiel eine Krebsgeschwulst in der Lunge oder ein vergrößerter Lymphknoten. Virusinfekte werden manchmal angeschuldigt, wenn sich keine Ursache findet. Im Zusammenhang mit einer Infektionskrankheit kann sich ein sogenanntes Guillain-Barrré-Syndrom entwickeln, das zu einer aufsteigenden Lähmung führt. Natürlich kommen auch andere neurologische Erkrankungen als Auslöser infrage. So tritt eine Zwerchfell-Lähmung mitunter im Zuge einer schmerzhaften Schulter-Arm-Schwäche (Armplexusneuritis oder neuralgische Schulteramyotrophie) auf, denn der Zwerchfellnerv ist Teil des Armnervengeflechtes. Gelegentlich lassen sich ausgeprägte Verschleißerscheinungen an der Halswirbelsäule als Ursache feststellen. Auch ein Eingriff (etwa in der Hypothermie- oder „Kühlungsphase" bei Herzoperationen) oder eine Verletzung können verantwortlich sein.

Symptome: Eine einseitige Zwerchfell-Lähmung bemerken die Betroffenen kaum. Bei körperlicher Belastung oder eingeschränkter Atemkapazität kann Atemnot auftreten. Wenn die Lunge auf der entsprechenden Seite etwas schlechter belüftet wird, neigt sie vermehrt zu Entzündungen durch Infektionen. Falls die Lähmung beide Seiten betrifft, kommt es zwangsläufig zu Atemnot, besonders im Liegen (die Betroffenen können nicht in Horizontallage schlafen, da der Zwerchfellmuskel in einer bestimmten Schlafphase der einzig aktive Atemmuskel ist). Bevorzugte Position ist ein aufrechter Oberkörper und Atmen mit aufgestützten Armen, um die Hilfsmuskeln der Atmung besser zu nutzen. Komplikationen an den Lungen sind außer den schon genannten Infekten Veränderungen wie Atelektasen und Fibrose (siehe jeweils im Kapitel „Lungenerkrankungen").

Diagnose und Therapie: Die Röntgendurchleuchtung des Brustkorbs und eine Ultraschalluntersuchung lassen eine gegensinnige Zwerchfellbeweglichkeit auf der rechten und linken Seite erkennen. Das gelähmte Zwerchfell steht etwas höher. Hinzukommen Messungen bestimmter Atemfunktionen und Atemdruckwerte, die hauptsächlich vom Zwerchfell erzeugt werden, eventuell eine Untersuchung im Schlaflabor.

Je nach Ursache kann die Lähmung sich nach gewisser Zeit wieder zurückbilden.

Wenn eine einseitige Lähmung Beschwerden macht, ist es möglich, das Zwerchfell operativ zu raffen. Bei beidseitiger Zwerchfell-Lähmung wird vereinzelt eine Schrittmacherbehandlung (Atemschrittmacher oder Zwerchfellstimulation) angeboten.

Verformung des Brustkorbs

Formanomalien des Brustkorbs können die Atmung mechanisch behindern und zu Atemnot führen. Die verschiedenen Formen der Skoliose spielen hier zum Beispiel eine Rolle. Am häufigsten kommt im Wachstumsalter die Skoliose unbekannter Ursache (idiopathisch) vor. Ein kleiner Teil ist angeboren oder Folge von Muskel- und Nervenerkrankungen. Auch Verformungen der Wirbelkörper selbst können eine Skoliose nach sich ziehen. Solche Formstörungen sind wiederum entweder angeboren oder durch Wachstumsstörungen, Entzündungen oder Verletzungen entstanden.

Wenn es im Rahmen der Skoliose zu einer deutlichen Verdrehung (Torsion) der Brustwirbelsäule und der Rippen kommt, kann das die Funktion der Brustorgane, vor allem von Herz, Lungen und Zwerchfell, behindern. Manchmal entsteht sogar ein Lungenhochdruck. In der Regel werden die Betroffenen von Kindesbeinen an engmaschig von ihrem Orthopäden betreut. Zeichnet sich eine Tendenz zur Verschlechterung der Skoliose ab oder liegt beispielsweise eine Muskel- oder Nervenstörung zugrunde, streben die Ärzte rechtzeitig eine Operation an. Dadurch lässt sich auch die Entwicklung von Atembeschwerden verhindern.

Mehr zu diesem Thema, insbesondere auch zur Therapie, im Beitrag „Skoliose".

Eine ausgeprägte Trichterbrust kann ebenfalls die Atmung beeinträchtigen. Mit einer Operation lässt sich das beheben. Bei einer fortgeschrittenen Bechterew-Erkrankung engt mitunter eine versteifte Brustwirbelsäule die Atmung ein; außerdem entwickelt sich manchmal eine Lungenfibrose. Heute behandeln die Ärzte daher oft schon frühzeitig mit Medikamenten, um das Leiden unter Kontrolle zu halten.

Auch Verletzungen des Brustkorbs, etwa Rippenbrüche, die vorübergehend zu einer Instabilität führen, können das Atmen erschweren.



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Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de ; 08.08.2010, aktualisiert am 15.05.2012
Bildnachweis: PhotoDisc/RYF

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