virale Infektionskrankheit, die meist durch den Biss erkrankter Tiere auf den Menschen übertragen wird und auch heute noch in allen Fällen tödlich verläuft. Nach dem Infektionsschutzgesetz besteht bei Verdacht, Erkrankung und Tod durch Tollwut Meldepflicht.
Ursache: In Mitteleuropa ist das Tollwutvirus v. a. unter Wildtieren, sehr selten unter Haustieren verbreitet, in den Tropen sind auch Haustiere (in erster Linie Hunde) häufig befallen. Menschen können sich durch direkten Kontakt mit dem Speichel von Tieren infizieren, meist durch Bisse, aber auch durch Belecken nichtintakter Haut oder Kontakt der Schleimhäute mit dem Speichel infizierter Tiere. Eine Infektion ist auch möglich über Impfköder für Wildtiere, wenn Schleimhäute oder verletzte Hautbereiche in Kontakt mit der Impfflüssigkeit gekommen sind. Das Virus wandert über die Nervenbahnen zum Rückenmark und Gehirn und verursacht dort eine Entzündung.
Befund: Die Krankheit verläuft in drei Stadien und setzt 1–3 Monate nach Ansteckung, selten auch erst nach bis zu einem Jahr ein. Im Vorläuferstadium (Prodromalstadium) beginnt die bereits verheilte Bisswunde zu jucken und zu brennen, außerdem klagt der Erkrankte über Kopfschmerzen, Fieber und Übelkeit. Im Erregungsstadium (Exzitationsstadium) treten am ganzen Körper Krämpfe der Muskulatur auf, z. B. wird durch den bloßen Anblick von Wasser ein Schluckkrampf ausgelöst, was man als Hydrophobie (»Angst vor Wasser«) bezeichnet. Auch geringfügige Geräusche führen oft zu unverhältnismäßigen Reaktionen mit Wutanfällen, Schlagen und Beißen. Der Speichelfluss ist erhöht, es treten Halluzinationen und delirante Zustände auf. Der Tod tritt nach frühestens 4 Tagen ein, es kann sich aber auch das Lähmungsstadium anschließen, das durch Atemlähmung zum Tod führt. Die Diagnose wird anhand der typischen Krankheitszeichen gestellt. Außerdem können Virusbestandteile in Speichel, Abstrichen der Hornhaut oder Nervenwasser nachgewiesen werden. In der Zeit vor dem eigentlichen Ausbruch der Erkrankung kann das Virus in Proben aus Hirngewebe, Speichel oder Tränenflüssigkeit mithilfe von Tierversuchen oder Zellkulturen nachgewiesen werden. Im Falle einer Bissverletzung kann die Untersuchung des Tieres Aufschluss über eine evtl. Tollwuterkrankung geben.
Behandlung: Es gibt keine Medikamente zur spezifischen Behandlung der Tollwut. Weil die Kranken bei vollem Bewusstsein sind, werden in erster Linie schmerz- und krampflösende Medikamente gegeben, die Betroffenen werden isoliert und vor allen unnötigen Reizen (helles Licht, Lärm) geschützt.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 09.12.2010
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