Übertragung einer Spenderniere bei fortgeschrittenem Nierenversagen. Die Nierentransplantation bietet die einzige Alternative zu einer lebenslangen Blutwäsche (Nierenersatzverfahren). Verläuft sie erfolgreich, ermöglicht das transplantierte Organ seinem Empfänger, ein normales Leben zu führen.
Voraussetzungen: Bei den verwendeten Spenderorganen handelt es sich entweder um eine Lebendspende (von Verwandten ersten oder zweiten Grades bzw. vom Partner des Empfängers) oder um die Nieren eines durch Hirntod Verstorbenen, die über Transplantationszentren vermittelt werden. Die Überlebensrate des Spenderorgans ist umso höher, je größer die Gewebeverträglichkeit zwischen Spender und Empfänger ist. Bestimmte Krankheiten, z. B. bösartige Erkrankungen ohne Heilungschancen, chronische Infektionen (z. B. Aids), Alkohol- und Drogenabhängigkeit, lebensbedrohliche Erkrankungen oder Krankheiten mit Schäden an anderen Organen und Systemerkrankungen wie Autoimmunkrankheiten als Ursache des Nierenversagens, schließen eine Transplantation aus.
Vorbereitung: Bevor ein Patient in die Warteliste für eine Nierentransplantation aufgenommen wird, sind zahlreiche Untersuchungen wie umfangreiche Labordiagnostik, Röntgenaufnahme des Brustkorbs und der Nasennebenhöhlen, Lungenfunktionstests, EKG unter Ruhebedingungen und Belastung, Echokardiografie und Sonografie erforderlich.
Durchführung: Die eigene, funktionsunfähige Niere wird im Allgemeinen belassen und die Spenderniere als zusätzliches Organ in die Innenseite der Darmbeinschaufel (Fossa iliaca) eingepflanzt. Dabei werden der Arterienstumpf der Spenderniere mit der Beckenarterie (Arteria iliaca) und der Harnleiter des Spenderorgans mit der Harnblase des Empfängers verbunden. In der Regel nimmt die fremde Niere sofort ihre Funktion auf.
Komplikationen: Die am meisten gefürchtete Komplikation ist die Transplantatabstoßung. Um diese zu verhindern, müssen nach einer Nierentransplantation die Reaktionen des Immunsystems medikamentös mittels Immunsuppressiva unterdrückt werden. Diese Medikamente verursachen allerdings auch zahlreiche Nebenwirkungen, z. B. eine erhöhte Infektanfälligkeit sowie eine Schädigung der Leber. Im Übrigen sind auch örtliche Komplikationen wie Harnleiterverengungen, undichte Stellen an der Verbindungsnaht zwischen den Arterien oder Harnleiter und Harnblase, Blutungen oder die Entwicklung einer Nierenvenenthrombose möglich.
Prognose: Die Überlebensrate von Transplantatnieren beträgt nach einem Jahr durchschnittlich 75–90 % und nach fünf Jahren 60–75 %. Weitere Nierentransplantationen sind grundsätzlich möglich, doch werden die Chancen, dass die Niere nicht abgestoßen wird, zunehmend geringer.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 09.12.2010
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