Die Nase kribbelt, die Augen tränen, ohne Taschentuch geht nichts mehr – Heuschnupfen setzt Pollenallergikern ziemlich zu. Halten sie aber bestimmte Regeln ein, können sie sich vor den Allergenen schützen. Zwei Experten erklären, welche Anti-Pollen-Tipps was bringen:
Täglich Nasendusche – hilft das?
„Bei unseren Patienten verbessern sich die Beschwerden einer allergischen Rhinitis spürbar, wenn sie ihre Nase regelmäßig mit einer Salzwasserlösung spülen“, sagt Professor Jörg Lindemann, HNO-Arzt und Allergologe an der HNO-Universitätsklinik Ulm. Der Grund: Reinigen Sie die Nase mit einer Kochsalzlösung, waschen Sie Pollen aus, die sich tagsüber auf den Schleimhäuten angesammelt haben. Dr. Regina Treudler, die die allergologische Sprechstunde an der Hautklinik der Universität Leipzig leitet, widerspricht: „Die Wirksamkeit einer Nasendusche scheint fraglich, es gibt hierzu keine klinischen Studien zur Wirkung beim Heuschnupfen.“ Experten sind sich beim Thema Nasendusche demnach uneins. Trotzdem ist das Spülen einen Versuch wert. Wenden Sie die Nasendusche – während der Pollenflugzeit – mindestens einmal täglich an. Beachten Sie, dass die Kochsalzlösung physiologisch sein muss, also 0,9 Gramm Natriumchlorid in 100 Gramm Wasser enthält. Sonst reizt die Flüssigkeit das Naseninnere. Wenn Sie abgepackte und vorportionierte Salz-Beutelchen kaufen, wie es sie in der Apotheke gibt, beugen Sie diesem unerwünschten Effekt vor. Ist die Pollenflugzeit vorbei und haben Sie keine Beschwerden mehr, dann verzichten Sie lieber wieder auf die tägliche Nasendusche. Denn der zu intensive, dauerhafte Gebrauch tut der Nasenschleimhaut womöglich auch nicht gut.
Vor dem Schlafengehen die Haare waschen – sinnvoll?
„Auf jeden Fall“, meint Experte Lindemann. Denn in den Haaren verfangen sich Pollen. Waschen Sie diese nicht aus, befördern Sie die kleinen Allergieauslöser auf das Kopfkissen und sind ihnen die ganze Nacht ausgesetzt. „Wir empfehlen tägliches Haarewaschen als nützliche Sekundärprophylaxe, also für Allergiker, die ‚ihr’ Allergen meiden sollten“, erklärt Lindemann. Möchten Sie Ihren Schopf nicht jeden Tag mit Shampoo einmassieren, brausen Sie ihn wenigstens mit Wasser ab.
Straßenklamotten aus dem Schlafzimmer verbannen – muss das sein?
Besser ist es schon. „Auch an der Kleidung bleiben Pollen hängen, die so ins Schlafzimmer gelangen und nachts Probleme bereiten“, erklärt Allergologin Treudler. Sie rät, dass Sie sich daheim gleich umziehen und Hose wie Pullover in einem separaten Raum lagern. Sinnvoll ist zudem, die Wohnungsgarderobe nur im Haus anzuziehen, damit sie pollenfrei bleibt.
Pollenschutzgitter anbringen – was bringt das?
Hierzu gibt es Pro und Contra. Die Hersteller versprechen, dass solche Gitter bis zu 90 Prozent aller Pollen zurückhalten. Doch „Pollen sind extrem klein“, gibt Treudler zu bedenken. Genau gesagt, weisen die meisten einen Durchmesser von 20 bis 50 Mikrometer auf. Sie sind also umgerechnet zwischen 0,02 und 0,05 Millimetern groß. „Ein solches Gitter müsste demnach extrem dicht gewebt sein“, meint die Allergie-Expertin. Das schränkt womöglich den Luftaustausch ein und dunkelt den Raum ab. „Allerdings heften sich Pollen gerne an andere Partikel, zum Beispiel Feinstaub, oder schließen sich zu mehreren zusammen“, merkt Experte Lindemann an. Dadurch werden die Teilchen größer und bleiben eher an einem Gitter hängen. Wohnen Sie beispielsweise direkt an einem Birkenhain und reagieren darauf allergisch, dann sollten Sie auf jeden Fall ein Pollenschutzgitter austesten. Tipp: Den Fensterschutz im Schlafzimmer anbringen und die Tür zum Schlafbereich geschlossen halten, damit keine Pollen aus anderen Räumen eindringen.
Abends nicht lüften – dann trieft die Nase am Morgen weniger?
Das hängt vom Wohnort und dem Wetter ab. „Pollen fliegen auf dem Land zu einer anderen Tageszeit als in der Stadt“, erklärt Lindemann. Landluft-Pollen sind in den frühen Morgenstunden – zwischen vier und sechs Uhr – am aktivsten. Frische Luft nach dem Aufstehen wirkt sich für Sie dort eher nachteilig aus. Großstadt-Pollen sind vorwiegend von 18 bis 24 Uhr unterwegs. Hier provozieren Sie eine Kribbelnase, wenn Sie vor dem Zubettgehen die Fenster öffnen. Deshalb: Auf dem Land am besten abends zwischen 19 und 24 Uhr lüften, in der Stadt bevorzugt morgens von sechs bis acht Uhr. Hat es geregnet, sind die Pollen meistens zum großen Teil aus der Luft gewaschen. Dann dürfen Sie zu jeder Tageszeit ohne schlechtes Gewissen lüften.
Pollenfilter im Auto – wirklich vorbeugend?
„Je nach Qualität des Filters kann dieser Pollen und andere Partikel ziemlich effektiv abfangen“, sagt Treudler. Auch Lindemann hält Pollenfilter für sinnvoll. Moderne Autos, die eine Klimaanlage besitzen, seien ohnehin mit solchem Zubehör ausgestattet. „Ganz wichtig ist, die Filter regelmäßig wechseln zu lassen, sonst setzen sie sich zu und bewirken nichts mehr“, rät der Allergologe.
Das Fazit der Experten: Die Schutzmaßnahmen gegen Pollen können die Allergieauslöser tatsächlich fernhalten – vorausgesetzt Sie beherzigen die Tipps konsequent. Lindemann sagt: „Kommen Allergiker mit dem Allergen nicht in Kontakt, haben sie auch keine Beschwerden!“
Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de;
12.04.2011
Bildnachweis: iStock/James Brey
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