Dass etwas derart Schönes so gefährlich sein kann! Wenn die Sonne unser Gesicht streichelt, dringen UV-Strahlen bis in die Lederhaut ein und verändern dort die Zellen. Während wir uns am Strand aalen, laufen wir Gefahr, dass sich der Körper rötet und die Basis für späteren Krebs entsteht. Das ist die schlechte Nachricht.
Die gute: Mithilfe des Sonnenlichts kommen viele positive Prozesse im Körper in Gang. Durch UV-Licht produziertes Vitamin D stärkt die Knochen, mildert Neurodermitis und Schuppenflechte. Die Strahlen sorgen dafür, dass die Laune steigt – vermutlich bildet der Körper vermehrt Serotonin, einen Botenstoff im Gehirn, der auf unsere Psyche wirkt.
Schlechte Sonne – gute Sonne: Wie lässt sich die Balance finden? Alle Experten sind sich einig: nur indem wir vorsichtig mit den Strahlen umgehen und uns ausreichend schützen. Genau daran scheint es aber oft zu hapern, speziell bei Männern.
Lediglich 60 Prozent der über 14-Jährigen greifen zumindest manchmal zu einem UV-Schutz, 40 Prozent gehen also ständig ungeschützt in die Sonne. Bei den Frauen cremen sich immerhin 80 Prozent wenigstens gelegentlich ein, ergab jetzt eine Umfrage der GfK Marktforschung.
Gut abgeschirmt
Dabei können geeignete Pflegemittel einen großen Teil der schädlichen UV-B- und UV-A-Strahlen abhalten. Die Sonne durch Cremen gänzlich auszublenden gelingt allerdings nicht – nicht einmal mit Lichtschutzfaktor 50. „Ein kleiner Teil der Strahlen geht immer durch“, erklärt Professorin Dr. Carola Berking von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität in München.
Das ist auch der Grund, warum wir trotz Sonnenschutz bräunen und auf die positiven Wirkungen des Sonnenlichts nicht verzichten müssen. „Schon eine geringe Dosis der Strahlen reicht aus, damit der Körper Vitamin D bildet“, betont die Wissenschaftlerin.
Cremen schützt vor Krebs
Kann also ein geeigneter UV-Schutz aus der Tube Hautkrebs verhindern? „Das nehmen wir an“, sagt Carola Berking. „Wir schützen uns mit Sonnencreme vor Spätschäden, die erst Jahrzehnte nach einem Sonnenbrand auftreten.“ Dies erklärt auch, warum sich die Hautkrebs-Erkrankungen in den vergangenen 30 Jahren mehr als verdreifacht haben.
Es liegt vermutlich daran, dass sich erst seit den 90er-Jahren viele Menschen bewusst vor der Sonne schützen. In den 70er- und 80er-Jahren, als knackbraune Haut Modediktat war, ging fast jeder ungeschützt in die Sonne. Expertin Berking vermutet daher, „dass künftig die Zahl der Hautkrebsfälle eher stagniert oder sogar abnimmt. Die Menschen gehen heute einfach bewusster mit dem Thema Sonne um.“
Einerseits. Andererseits hat Sonnencreme, -milch oder -lotion seltsamerweise auch einen negativen Einfluss. „Wir wiegen uns in falscher Sicherheit“, erklärt Carola Berking. Wir wähnen uns durch hohe Lichtschutzfaktoren gut beschirmt und reizen deshalb die Sonne bis zum letzten Moment aus.
„Tatsächlich gibt es Statistiken, die zeigen, dass Sonnencreme-Benutzer häufiger an Hautkrebs erkranken“, sagt die Expertin. Sie setzen sich nämlich öfter und länger der UV-Strahlung aus. Zweites Problem: Wir benutzen Sonnencreme nicht effizient genug, tragen zu wenig davon auf – und das auch noch zu selten.
Deshalb der Rat der Experten: Die Haut grosszügig – und auch bei bedecktem Himmel – eine halbe Stunde vor dem Sonnenbaden eincremen. Den Schutz immer wieder erneuern. Den Körper zusätzlich mit Textilien bedecken, und die Sonne in den Mittagsstunden ganz meiden.
Ist die Sonne heute stärker?
Viele Erwachsene haben das Gefühl, die Sonne sei heute gefährlicher als früher. Diesem falschen Eindruck begegnen die Experten mit Fakten. „Die Ozonschicht der Atmosphäre filtert einen Großteil der UV-Strahlung. Sinkt die Ozonkonzentration in der Atmosphäre, steigt in der Tat der UV-Anteil“, erklärt Anja Schulte-Lutz vom Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter. „Prominentes Beispiel dafür ist Australien. Für Europa ist ein solcher Trend aber nicht erkennbar.“
Dass wir die Sonne heute dennoch als stärker empfinden, hat wohl eher damit zu tun, dass wir uns als Erwachsene nicht mehr so viel im Freien aufhalten wie früher. Dermatologin Berking: „Als Kinder waren wir ständig draußen und die Wärme einfach gewohnt.“
Anne-Bärbel Köhle, Apotheken Umschau;
03.08.2010, aktualisiert am 03.08.2010
Bildnachweis: Getty Images/Cultura
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