Man trifft einen Bekannten, dessen Namen einem partout nicht einfallen will. Eine solche Situation ist wahrscheinlich jedem schon einmal passiert. Doch während junge Menschen das meist achselzuckend abtun, sind Ältere oft verunsichert. „Werde ich etwa dement?“, fragen sie sich.
Schwierigkeiten, bestimmte Erinnerungen abzurufen, sind bis zu einem gewissen Grad normal und an sich nicht besorgniserregend – solange sie nur ab und an auftreten. Das Gedächtnis ist kein statisches Gebilde. Die Verknüpfungen zwischen einzelnen Gedächtnisinhalten unterliegen einem ständigen Wandel, neues Wissen wird eingebaut, alte Informationen werden verändert oder in den Hintergrund gedrängt. Schon allein indem eine Erinnerung abgerufen wird, verändert sie sich. „Wir erinnern uns im Grunde nie zweimal an genau dasselbe“, sagt Professor Hans Förstl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in München.
Umgebung und Emotionen
Wenn Menschen auf bestimmte Gedächtnisinhalte nicht zurückgreifen können, kann das verschiedene Ursachen haben. So nehmen die Emotionen einer Person und die aktuelle Umgebung einen Einfluss auf das Erinnerungsvermögen. Ist man beispielsweise traurig, denkt man eher an negative Erlebnisse. Anders sieht das bei einer fröhlichen Grundstimmung aus, bei der man die Welt eher durch die bekannte „rosarote Brille“ wahrnimmt.
Ähnlich verhält es sich mit Ort und Umgebung. An den Namen des Geschäftspartners erinnert man sich tendenziell eher im beruflichen Alltag, als wenn man ihn per Zufall im Schwimmbad trifft. Wer schlau ist, kann das beim Lernen ausnutzen: Studenten zum Beispiel könnten sich vielleicht an Wissen besser erinnern, wenn sie sich auf eine Klausur in dem Hörsaal vorbereiten, in dem die Prüfung dann tatsächlich stattfindet.
Stress, Erschöpfung, Flüssigkeitsmangel
Apropos Prüfungen: Auch Stress kann zu einem geminderten Erinnerungsvermögen führen. Das gleiche gilt für Müdigkeit sowie mentale und physische Erschöpfung. In der Regel beeinträchtigen sie die kognitiven Fähigkeiten nur für eine begrenzte Dauer. Ist die Müdigkeit verflogen, arbeitet auch das Gedächtnis wieder leistungsfähiger.
Flüssigkeitsmangel ist eine weitere mögliche Ursache für Erinnerungsprobleme. Langfristig begünstigt er Verwirrtheitszustände. Ältere Menschen trinken häufig zu wenig und sind deshalb besonders davon betroffen. Dagegen gibt es ein einfaches Rezept: Täglich gut eineinhalb bis zwei Liter trinken, sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen.
Krankheiten und Medikamente
Krankheiten schwächen den Körper und oft auch das Erinnerungsvermögen – unter anderem können Depressionen, ein schlecht eingestellter Diabetes, Fieber, Infektionen, Demenzerkrankungen wie Alzheimer sowie Durchblutungsstörungen des Gehirns das Gedächtnis beeinträchtigen. Ähnlich sieht es bei bestimmten Medikamenten aus. Haben Sie das Gefühl, dass eine Arznei Sie in ihren kognitiven Leistungen einschränkt, wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt. Setzen Sie das Medikament keinesfalls eigenmächtig ab, denn das birgt manchmal ungeahnte Risiken! Darüber hinaus können Alkohol und Drogen das Gedächtnis nicht nur kurzfristig trüben, sondern das Gehirn dauerhaft schädigen.
Ab wann zum Arzt?
Gedächtnisstörungen weisen als Symptome mitunter auf eine Demenz hin, können aber auch eine der oben genannten Störquellen als Ursache haben. Doch ab wann sollte man sich ernsthafte Sorgen um eine mögliche Erkrankung machen? Bei gelegentlichen Aussetzern sicherlich noch nicht.
„Sie sollten stutzig werden, wenn Gedächtnisstörungen zunehmen oder man sich Dinge nicht mehr merken kann, die einem früher keine Probleme bereitet haben“, sagt Förstl. Etwa wenn vertraute Arbeitsabläufe auf einmal Probleme bereiten. Dann ist eine Untersuchung beim Hausarzt auf jeden Fall sinnvoll. Der prüft mit Tests, ob Anzeichen für eine Demenzerkrankung vorliegen und überweist den Patienten gegebenenfalls weiter zum Facharzt.
Allerdings entwickelt sich eine Demenz meist schleichend und wird im Frühstadium oft nicht bemerkt. Das macht die Krankheit tückisch. Eine pauschale Empfehlung, bis wann man sich keine Sorgen machen muss und ab wann man sich besser untersuchen lässt, gibt es nicht. Im Zweifelsfall ist Vorsicht meist die bessere Alternative. Je eher eine Demenz erkannt wird, desto besser kann sie auch behandelt werden. „Für Patienten ist es lohnenswert, sich offen den Gedächtnisproblemen zu stellen“, sagt Demenzexperte Förstl.
Vorbeugung
Zur Vorbeugung von Gedächtnisstörungen eignet sich vor allem ein Lebensstil mit gesunder Ernährung und körperlicher Bewegung. Alkohol sollte man nur in Maßen genießen. Gezielte Entspannungsübungen wie Yoga helfen beim Stressabbau. Sehr wichtig ist auch geistige Anregung, zum Beispiel in Form eines anspruchsvollen Hobbys oder möglichst viel Kontakt mit anderen Menschen.
Stephan Soutschek / www.apotheken-umschau.de;
04.08.2011, aktualisiert am 21.09.2011
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