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Was tun bei Erstickungsgefahr?

Gelangt ein Fremdkörper in die Luftwege, ist schnelles – und richtiges – Handeln gefragt


Besonders Kinder, die mit Bauklötzen oder Murmeln spielen, können diese auch mal in den Mund stecken

Hastig den Bissen hinuntergewürgt und gleichzeitig hitzig mit der Kollegin debattiert – und schon ist es passiert ... Unkonzentriertes, hektisches Essen ist eine typische Situation, die häufig zum „Verschlucken“ führt. Statt in der Speiseröhre landen Nahrungsbrocken dann in den Atemwegen.

Der Schluckakt misslingt gelegentlich, weil die Eingänge von Luft- und Speiseröhre im unteren Rachen direkt nebeneinanderliegen. In diesem störungsanfälligen Bereich kreuzt sich der Weg des Nahrungsbreis mit der Bahn des Atems. Zwar verschließt der Kehlkopfdeckel normalerweise die Luftröhre beim Schlucken und schützt sie so vor dem Speisebrei. „Doch sobald wir sprechen, öffnet sich der Kehlkopfdeckel und verliert dann seine Schutzfunktion“, veranschaulicht der Notfallmediziner Dr. Walter Russ. „Beim Reden streicht der Atem, der aus der Lunge kommt, an den Stimmbändern entlang und bringt sie zum Schwingen.“ Deshalb sei es nicht ungefährlich, mit vollem Mund zu sprechen.


Besonders oft verschlucken sich kleine Kinder, die sich beim Spielen Münzen, Murmeln oder Klötzchen in den Mund schieben. Auch bei älteren Menschen, die Speisen häufig länger im Mund behalten und gleichzeitig atmen, besteht ein hohes Risiko, falsch zu schlucken. Am meisten gefährdet sind jedoch Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, multipler Sklerose oder ausgeprägter Demenz. „Je nach Schwere des Leidens können sie den Schluckvorgang nicht mehr richtig koordinieren“, sagt Russ. Selbst das Schlucken des eigenen Speichels wird so unter Umständen zum Problem.

Kleine Fremdkörper können bis in die tiefen Atemwege vordringen. Dort verursachen sie anfangs meist keine Beschwerden, im Lauf der Zeit können sie aber Entzündungen auslösen. Steckt der Wursthappen weiter oben in der Luftröhre fest, ist das jedoch akut bedrohlich. Im schlimmsten Fall verschließt er den Luftweg vollständig – dann droht die Gefahr, daran zu ersticken. Sitzt der Brocken zwischen Kehlkopf und Speiseröhre fest, reizt er ein hochempfindliches Nervengeflecht, was zu einem plötzlichen Herz- und Kreislaufstillstand führen kann.

Glücklicherweise hilft sich der Körper des Betroffenen durch starkes Husten meistens selbst. Der Druck, der dabei entsteht, schleudert den Fremdkörper aus dem Engpass heraus. Sitzt er jedoch richtig fest, sollten Sie umgehend den Rettungsdienst verständigen. Führen Sie eigene Rettungsmaßnahmen durch, bis er eintrifft – allerdings nur, solange der Betroffene bei Bewusstsein ist. 

Rettungsmaßnahmen


  • Hustenmechanismus unterstützen: Bei Erwachsenen Oberkörper vornüberbeugen und mit der flachen Hand kräftig zwischen die Schulterblätter schlagen. Bei kleinen Kindern nutzen Sie zusätzlich die Schwerkraft.
  • Im äußersten Notfall den Heimlich-Handgriff anwenden (siehe unten). Danach unbedingt den Arzt aufsuchen!  
  • Bei Bewusstlosigkeit und Atemstillstand Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen, bis der Notarzt eintrifft.


So halten Sie ein Baby, wenn es etwas verschluckt hat

Erste Hilfe bei Säuglingen: Kind bäuchlings auf den Oberschenkel legen (Kopf nach unten) und mit der flachen Hand kräftig zwischen die Schulterblätter klopfen. Kleinkinder mit dem Bauch über den Schoß legen.



Bei Erwachsenen müssen Sie im Erstickungsfall von hinten um den Oberbauch greifen

Heimlich-Handgriff: Den Erstickenden von hinten um den Oberbauch greifen. Bei vornübergebeugtem Oberkörper eine geballte Faust im Oberbauchbereich platzieren. Diese mit der anderen Hand umfassen und kräftig nach oben ziehen.



Dr. Luitgard Marschall / Apotheken Umschau; 01.02.2011
Bildnachweis: W&B/Wolf Heider-Sawall, Shotshop/Monkey Business

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