Joghurt schmeckt super. Und außerdem ist das Milchprodukt auch noch ein besonders gesundes Lebensmittel. Wunderbare Kombination – könnte man meinen. Aber irgendwie war das wohl immer noch nicht genug. Also machte sich eine ganze Batterie von Forscherteams daran, die Eigenschaften des cremigen Wundermittels noch weiter zu optimieren.
Das Ergebnis nannten die klugen Köpfe dann Probiotikum und heute darf es in kaum einem Supermarkt fehlen. Aber ist diese neue Generation von Joghurtprodukten wirklich so viel gesünder als die althergebrachte Variante? Wir haben mit Dr. Alexa Meyer von der Universität Wien (Österreich) gesprochen. Die Ernährungswissenschaftlerin hat an einer Studie zu genau diesem Thema mitgearbeitet.
Was ist überhaupt der Unterschied, zwischen einem normalen Joghurt und einem probiotischen? "Damit aus Milch Joghurt entsteht, setzt der Hersteller Bakterien aus der Gruppe der Laktobazillen (Milchsäurebakterien) ein", erklärt Meyer. Das besondere an einem probiotisches Produkt ist, dass von Anfang an probiotische statt normaler Mikroorganismen verwendet werden.
Probiotisch bedeutet so viel wie "für das Leben". Den Namen tragen die Bazillen, da sie über gesundheitsförderliche Eigenschaften verfügen. "Eine andere Möglichkeit der Probiotikaherstellung ist, dass der Hersteller wieder gewöhnliche Milchsäurebakterien einsetzt und die probiotischen erst nach dem Reifungsprozess hinzufügt", erklärt Meyer.
So weit so gut. Und was macht die probiotischen Bazillen dann so besonders? Gesundheitsförderliche Eigenschaften zeigen auch normale Milchsäurebakterien, allerdings gelangen sie nicht immer bis zu ihrem Wirkort. Wenn wir ein Joghurt essen, dann wandert es durch den Magen in den Darm. Erst dort entfalten die Milchsäure-Bakterien ihre positive Wirkung.
Leider zerstört die Magensäure einen Großteil der kleinen Helfer, bevor sie überhaupt zum Einsatz kommen. Probiotische Laktobazillen zeigen im Gegensatz zu den gewöhnlichen Milchsäurebakterien eine etwas höhere Überlebensfähigkeit. Laut Meyer gelangen rund 20 Prozent davon bis in den Darm.
Und was sind das für positive Auswirkungen, die die Überlebenden zeigen? "Im Darm angekommen, stärken Milchsäurebakterien die Abwehrkräfte, sie fördern die Darmtätigkeit und beugen auch einen Völlegefühl vor", so Meyer. Das gilt sowohl für probiotische, als auch für ganz normale Joghurtprodukte.
Verschiedene Bakterien-Kulturen können allerdings wirklich unterschiedliche Effekte auslösen. Diesen Umstand wollen sich Forscher in der Zukunft zu Nutzen machen. Dann könnten sie bestimmte Kulturen gezielt bei verschiedenen Krankheiten einsetzen. "So würde sich beispielsweise ein entzündungshemmender Stamm für Morbus-Crohn-Patienten eignen", erklärt Meyer.
Bei Durchfall – vor allem in Folge einer Antibiotika-Therapie – können Probiotika wertvolle Dienste leisten. Präparate aus der Apotheke enthalten bestimmte lebende Bakterien und Hefen. Diese Keime sollen helfen, die natürliche Darmflora wieder herzustellen.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
31.08.2010
Bildnachweis: iStock/Auremar
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