Babys lieben Muttermilch. Zu Beginn ernähren Sie sich sogar ausschließlich davon. Deutet man das zufriedene Schmatzen der kleinen Feinschmecker, so spricht nichts dafür, dass ihnen gerade nach einem Schweineschnitzel zumute ist.
Bei Erwachsenen spielt pure Milch eine eher untergeordnete Rolle. Manche Menschen verzichten sogar komplett auf den Genuss. Mitunter, weil ihnen das frische Kuhprodukt Bauchschmerzen bereitet. "In Europa leiden 10 bis 20 Prozent der Männer und Frauen unter einer Laktoseunverträglichkeit", so Dr. Susanne Nowitzki-Grimm, Diplom-Ernährungswissenschaftlerin aus Schorndorf bei Stuttgart. In Asien und Afrika liegt der Anteil der Erwachsenen mit Laktoseintoleranz laut der Expertin sogar bei fast hundert Prozent.
Was ist das Problem? Milch, sowohl von der Menschen-Mutter, als auch von der Kuh, enthält Milchzucker, auch Laktose genannt. Dieser besteht aus zwei Zuckermolekülen. Diese beiden spaltet ein Enzym im Dünndarm auf, die Laktase. Danach kann der menschliche Körper die Einzelteile aufnehmen. Nun gibt es Personen, denen fehlt das besagte Enzym oder es ist nur in verminderter Menge vorhanden. "Wenn die Betroffenen Milch trinken, bekommen sie Bauschmerzen, Blähungen und einen harten, schmerzhaft gespannten Oberbauch", erklärt Nowitzki-Grimm. Einigen wird auch schlecht.
Wie kann es sein, dass fast alle Babys Milch vertragen und bei den Erwachsenen funktioniert es oft nicht mehr so reibungslos mit der Verdauung? Dieses Phänomen hat vermutlich evolutionäre Gründe. "Früher stand für die Erwachsenen das Lebensmittel Milch einfach nicht auf dem Speiseplan, also mussten sie es auch gar nicht vertragen", erklärt die Ernährungswissenschaftlerin. Erst seit wir Viehzucht betreiben, genießen auch Erwachsene das weiße Getränk.
Diejenigen, die zufällig auch nach dem Kindesalter über eine ausreichende Menge des Enzyms Laktase verfügten, konnten nun auch Kuhmilch trinken. Menschen, die damit gesegnet waren, hatten dadurch vermutlich einen Vorteil und höhere Überlebenschancen. So vererbte sich die Fähigkeit, Milch auch im Erwachsenenalter zu verarbeiten, weiter und breitete sich aus. Die meisten Europäer können heute Milch trinken, ohne Schmerzen zu erleiden.
In Asien und Afrika spielte die Viehzucht noch nie eine große Rolle, so dass die Organismen der dortigen Bevölkerung sich bis heute nicht auf die Verdauung von Milchzucker einstellen mussten. Menschen mit Laktoseintoleranz müssen übrigens nicht komplett auf Milchprodukte verzichten. In der Regel vertragen sie beispielsweise Hartkäse oder Joghurt. "Diese Lebensmittel enthalten im Normalfall nach dem Reifeprozess keine Laktose mehr", so Nowitzki-Grimm.
Allerdings süßen Hersteller Milchprodukte, die eigentlich keine Laktose mehr enthalten würden, oft mit ebendiesem Zucker. Somit darf man sich nicht immer darauf verlassen, dass Hartkäse oder Joghurt laktosefrei sind. Aber es gibt in beinahe jedem Supermarkt auch laktosefreie Milchprodukte. Diese können auch Menschen mit Milchzucker-Unverträglichkeit bedenkenlos verzehren. Sie sind genauso wertvoll, schmecken oft nur etwas süßer als die normalen Produkte.
Wer vermutet, eine Laktoseintoleranz zu haben, sollte das vom Arzt abklären lassen! Er kann testen, ob ein Laktasemangel als Ursache wahrscheinlich ist. In seltenen Fällen kann hinter den Verdauungsbeschwerden auch eine ernste Darmerkrankung stecken.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
19.04.2011, aktualisiert am 29.02.2012
Bildnachweis: iStock/The Flying Dutchman
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