Der mittlere Brustraum, das Mediastinum, liegt zwischen den beiden Lungenflügeln. Die hintere Begrenzung bildet die Wirbelsäule. Nach vorne wird das Mediastinum vom Brustbein abgeschlossen, nach unten vom Zwerchfell. Im hinteren Bereich liegt die Speiseröhre. Ihre Nachbarn sind unter anderem die Brustaorta (die Aorta ist die Körperhauptschlagader, hier geht es um den im Brustkorb abwärts verlaufenden Teil), Lymphknoten und Gefäße. Das Herz und die Luftröhre befinden sich weiter vorne.
Verschiedene krankhafte Veränderungen in diesem Gebiet können die Speiseröhre bedrängen und eine Dysphagie auslösen. Weitere Symptome wie Husten stehen hier oft im Vordergrund.
Zysten, Schwellungen, Geschwülste
Relativ häufig finden sich im Mediastinum Zysten. Das sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume. Sie können sich zum Beispiel im Bereich der Luftwege (Bronchien, Einzahl: Bronchus), am Herzbeutel (Perikard) oder Lungenfell (Pleura) bilden. Zysten sind prinzipiell gutartige Gebilde. Selten verändern sie sich und nehmen einen bösartigen Charakter an.
Symptome: Wenn Zysten auf die Speiseröhre drücken, können sie das Schlucken behindern (Dysphagie). Weitere Beschwerden hängen davon ab, welches Organ sonst noch betroffen ist.
Manchmal sind entzündliche Gewebemassen oder Schwellungen von Lymphknoten im Mediastinum an einer Dysphagie schuld. Die Lymphknoten können zum Beispiel auf eine Entzündung reagieren oder selbst erkranken. Sie vergrößern sich dann jeweils.
Letzteres kommt unter anderem bei einer Sarkoidose vor. Das ist eine gutartige Systemerkrankung unklarer Ursache mit Knötchenbildungen (Granulomen) in verschiedenen Organen, zum Beispiel in der Haut, in den Lungen und Lymphknoten.
Auch die bei uns mittlerweile selten gewordene Tuberkulose kann der Grund dafür sein, dass Lymphknoten im Brustraum anschwellen und Nachbarorgane behindern.
Bei verschiedenen Pilzerkrankungen (Mykosen), zum Beispiel einer Histoplasmose, ist das ebenfalls möglich. Mykosen treten allerdings selten auf, am ehesten bei einer Immunschwäche. Es kann dabei zu sehr großen „Lymphknotenpaketen“, selten auch zu einer lebensbedrohlichen krankhaften Verbindung (Fistel) zwischen Luftwegen und Speiseröhre mit Aspirationsgefahr kommen. Das heißt, dass Speisen leicht in die Luftwege gelangen und einen Erstickungsanfall und / oder eine Lungenentzündung provozieren können.
Weitere mögliche Symptome hängen immer von der Grunderkrankung ab. Als Allgemeinsymptome können jeweils Fieber, Gewichtsverlust, Lymphknotenschwellungen, Muskel- und Gelenkschmerzen, manchmal auch Nachtschweiß auftreten.
Einige gutartige Geschwülste im Mediastinum bereiten kaum Beschwerden und werden daher als Zufallsbefund entdeckt. Andere verursachen ganz spezielle Symptome, die zum Beispiel auf Hormonwirkungen zurückzuführen sind (siehe nachfolgend). Bösartige (maligne) Tumoren können sich in Zellen bilden, die zum Nervensystem gehören, sogenannte neurogene Tumoren. Oder es entstehen Lymphome, die vom Lymphsystem abstammen. Außerdem kommen maligne Fettgewebsgeschwülste (Liposarkome) und andere Sarkome vor. Manchmal finden sich Tochtergeschwülste, die von einem Krebs an anderer Körperstelle ausgehen.
Symptome: Manche Tumoren im Mediastinum bilden Hormone und können dann spezielle Auswirkungen haben. So kann es zum Beispiel zu Unterzuckerungen kommen. Oder es entwickelt sich ein hartnäckiger, manchmal attackenartiger Bluthochdruck (bei einem sogenannten Phäochromozytom; siehe unter Bluthochdruck, Kapitel „Diagnose (2), Hormoneller Hochdruck, Phäochromozytom“). Auch eine Myasthenia gravis (siehe dazu im Kapitel „Ursachen: Gehirn, Nerven, Muskeln“) kann infrage kommen.
Ansonsten hängen die Beschwerden von der Art und Lage der Geschwulst ab. Beispielsweise sind neben einer Schluckstörung (Dysphagie) Brustschmerzen, Fieber, Husten, Atemnot, Heiserkeit, eine sogenannte obere Einfluss-Stauung (siehe unter „Schwellung am Hals, Kapitel „Venenstauung“) möglich. Hat ein Tumor im hinteren Mediastinum Kontakt zu Rückenmarksnerven, kann er neurologische Beschwerden bis hin zu Lähmungen verursachen.
Zur Diagnose verhelfen neben Blutuntersuchungen auch Röntgenaufnahmen der Speiseröhre mit Kontrastmittel, eine Ultraschalluntersuchung mittels Endoskop (endoluminale Sonografie der Speiseröhre), eine Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder szintigrafische Abbildungstechniken der Organe im Brustraum / Mediastinum bis hin zur Wirbelsäule. Es kann auch nötig sein, Gewebeproben zu gewinnen, um sie unter dem Mikroskop zu untersuchen. Dazu dienen spezielle Techniken wie Punktion eines vergrößerten Lymphknotens durch die Speiseröhre oder einen Bronchus, eine Endoskopie des Mediastinums (Mediastinoskopie), die als minimal invasive Operation in Narkose schon eingreifender ist, oder eine offene Operation. Sie ist beispielsweise notwendig, wenn eine größere Menge Gewebe benötigt wird.
Die Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung.
Herz- und Gefäßveränderungen
Manchmal kann die Speiseröhre durch einen Herzbeutelerguss (siehe unter Herzbeutelentzündung) eingeengt werden. Dasselbe kann auch passieren, wenn der linke Herzvorhof vergrößert ist. Hier stehen aber jeweils andere Beschwerden seitens des Herzens im Vordergrund.
Schließlich kann noch eine Aussackung (Aneurysma) der Körperhauptschlagader auf die Speiseröhre drücken und Schluckbeschwerden verursachen.
Dysphagia lusoria beruht auf einer seltenen Laganomalie eines Gefäßes. Dabei bedrängt die relativ großkalibrige, stark pulsierende rechte Schlüsselbeinarterie die Speiseröhre.
Erkrankungen der Schilddrüse
Der Mittelfellraum hat auch ein „Oben“ und „Unten“. Ganz vorne und oben liegt zum Beispiel die Schilddrüse. Auch sie kann hinter einer Schluckbehinderung stecken. Bei etwa jedem Zehnten in Deutschland ist die Drüse vergrößert, es liegt ein Kropf vor. Regional kann die Erkrankungsfrequenz deutlich höher sein. Zudem sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Macht der Kropf, den Mediziner Struma nennen, mechanisch Beschwerden, so entspricht das oft einem Kloß- oder Engegefühl im Hals, eventuell auch Schluckbeschwerden und Halsschmerzen. Ist der Kropf übergroß, kann er die Luft- und Speiseröhre sowie Halsgefäße einengen. Dann kommt es zu Atemnot, Dysphagie und verdickten, gestauten Halsvenen (siehe unter Schwellung am Hals, Kapitel „Venenstauung“).
Bei Schilddrüsenkrebs entwickelt sich meistens ein Knoten in der Schilddrüse. Er fühlt sich derb an und kann mit der Haut darüber verwachsen sein. Dann lässt sich das Areal beim Betasten kaum verschieben. Zu Dysphagie kann es kommen, wenn die Geschwulst fortgeschritten ist und die Speiseröhre einengt.
Mögliche weitere Symptome ähneln teilweise denjenigen beim Kropf (siehe oben). Die Schmerzen am Hals können auch in die Ohren, in den Nacken, in die Schulter, in den Arm oder Brustkorb ausstrahlen. Zudem kann ein Augenlid herabhängen und die Pupille auf derselben Seite verengt sein. Manchmal entsteht auch der Eindruck, dass der Augapfel in die Augenhöhle zurückgewichen ist. Wenn der Stimmbandnerv bedrängt wird, kommt es zu Heiserkeit. Atemnot und /oder eine ziehende, laute Atmung können bedeuten, dass der Tumor auf die Luftröhre drückt. Möglicherweise sind Lymphknoten in der Umgebung vergrößert.
Mehr dazu unter Schilddrüsenkrebs.
Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de;
19.07.2010, aktualisiert am 15.05.2012
Bildnachweis: W&B/Kühn, Fotolia/Sebastian Kaulitzki/2010
Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung