Immer wieder gibt es Hinweise, dass die Inhaltsstoffe bestimmter Lebensmittel glücklich machen. Ob das wohl stimmt? Die Blätter fallen, Schokolade tröstet. Die Temperaturen sinken, Speck-Datteln wärmen. Die Sonne verzieht sich, gebrannte Mandeln bringen uns trotzdem zum Strahlen. Gut, wir wären glücklich, aber wahrscheinlich auch sehr bald sehr dick.
"In Schokolade steckt tatsächlich der Glücksbotenstoff Serotonin, aber um eine medizinisch erklärbare Wirkung zu erzielen, müssten wir Unmengen davon in uns hineinstopfen", erklärt Ernährungspsychologe Professor Christoph Klotter von der Hochschule Fulda. Außerdem weiß man laut Klotter bis heute gar nicht sicher, welche Bestandteile des Essens wirklich wo ankommen: "Man kann nicht sagen, in einer Banane sind folgende Inhaltsstoffe drin, also wird sie, wie ein Medikament, diesen oder jenen Effekt zeigen."
Trotzdem kann Essen glücklich machen. Der Grund dafür liegt aber nicht bei den Inhaltsstoffen, sondern auf einer psychosozialen Ebene. "Einsames in-sich-Hineinstopfen macht niemals froh. Eine lustige Mahlzeit mit Freunden und Familie hingegen schon", erklärt Klotter. Im geselligen Frankreich ernähren sich viele Menschen ungesünder als in Amerika. Trotzdem leben die Menschen dort länger. Der Grund liegt laut Klotter in der fröhlichen Stimmung und in dem Genuss am Essen – im Gegensatz zur vergleichsweise kühlen Anonymität in den USA.
Wer sich gesund ernährt und sich nicht übernimmt, fühlt sich nach dem Mahl besser als derjenige, der vor dem Fernseher eine ganze Tüte Chips in sich hineingestopft hat.
Tipp: Gestalten Sie in der dunklen Jahreszeit – wenn alles grau, neblig und kalt ist – die gemeinsamen Mahlzeiten als bunte Erlebnisse. Dafür müssen Sie sicher ein wenig investieren. Zum Beispiel statt drei Stunden fernzusehen lieber eine Stunde davon auf dem Markt und in der Küche verbringen. Steht dann ein tolles Gericht auf dem Tisch, dürfte das wesentlich mehr Glücksgefühle hervorzaubern als die dritte Stunde Reality-TV. Und machen Sie daraus kein Einzelfall, sondern etablieren Sie dieses Ritual langfristig. "Zum Beispiel kann man über Wochen hinweg eine kulinarische Weltreise starten", rät Klotter.
Die Jagd nach Serotonin in Lebensmitteln – oder auch nach seinem Ausgangsstoff, dem Tryptophan – will Klotter aber nicht grundsätzlich schlecht machen. Nur gibt es zur Zeit noch keine Ergebnisse, die den Ernährungspsychologen davon überzeugt haben, dass bestimmte Nahrungsmittelinhaltsstoffe glücklich machen können. "Aber das kann sich natürlich noch ändern", so der Experte.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
14.11.2011
Bildnachweis: Thinkstock/Banana Stock
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