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Durchfall (Diarrhö): Ursachen akut (2)

Durchfälle können auch als Reaktion auf Angstsituationen, Stress, zu viel Kaffee, Medikamente, Strahlenbehandlungen und bei einem Gefäßverschluss des Darms auftreten


Konflikte und Stress machen sogar den Darm oft nervös

Wer kennt das nicht: Man hat gerade eine Stressphase und langt beim Kaffee kräftiger als sonst zu. Die Quittung folgt mitunter auf dem Fuße. Koffein kann bei überhöhter Zufuhr nämlich nicht nur Herzklopfen, Nervosität und schlechten Schlaf verursachen, sondern auch Durchfall. Stress haut in dieselbe Kerbe. Als Erstes empfiehlt es sich, die Dosis beim Kaffee herunterzufahren, um festzustellen, ob der Darm sich beruhigt. Nimmt Stress überhand, ist an gezielte Bewältigungstrategien zu denken. Schwieriger zu handhaben sind situative Ängste, die den Darm aus dem Ruder laufen lassen. Wenn kein vorübergehendes Problem zugrunde liegt wie zum Beispiel Examensangst, sondern die Angstgefühle mit ihren körperlichen Folgen oft wiederkehren, ist es ratsam, der Sache auf den Grund zu gehen.

Gelegentlich sind Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten für akuten Durchfall verantwortlich. Da diese Reaktionen wegen entsprechender Veranlagung jedoch immer wieder auftreten können, werden diese Krankheitsbilder im Kapitel „chronisch 1“ abgehandelt. Ein anderes, ernstes Thema ist Durchfall nach Strahlenbehandlungen. Moderne Techniken tragen zwar dazu bei, Schädigungen des Darms und damit einhergehende Durchfälle zu vermeiden, aber das Problem kommt auch heute noch vor. Seltene Ursachen für akute blutige Durchfälle bzw. Darmblutungen sind Durchblutungsstörungen im Darm. Nachfolgend mehr zu diesen Themen.


Angst, Stress


Manche Menschen reagieren bei Angst, Aufregung und Stress, etwa vor einer Prüfung oder einem Vortrag, spontan mit Darmunregelmäßigkeiten bis hin zu Durchfall.

Darüber hinaus können Magen-Darm-Störungen mit wiederholten Durchfallepisoden bei krankhaften Angststörungen zu den vordergründig belastenden Beschwerden gehören. Frühzeitige Behandlung ist wichtig, um die Fesseln, die die Seele hier dem Körper anlegt, aufzulösen, damit die Betroffenen in einen weitgehend normalen Alltag zurückfinden.

Mehr dazu im Beitrag Angst.

Koffein / Tein


Da Koffein nicht nur Herz und Hirn, sondern auch den Darm anregt, kann es auch Durchfall auslösen, insbesondere bei phasenweise übermäßigem Gebrauch.

Koffein macht müde Geister munter und den Darm auch. Es findet sich nicht nur in Heißgetränken wie Kaffee, Mate, Tee (hier als Tein), sondern auch in Colagetränken, Energydrinks, Guarana, Schokoladen. Zudem ist es in manchen Kopfschmerztabletten enthalten, mittlerweile auch in Shampoos gegen Haarausfall. Coffein ist in erster Linie ein anregendes Genussmittel, ein Psychostimulans, denn es wirkt auf die Nervenzellen ein und erhöht ihre „Kommunikationsbereitschaft“. Übermäßiger Genuss kann die verschiedensten Beschwerden machen, darunter Durchfall, Herzklopfen, Nervosität, Konzentrationsstörungen. Ein kurzfristiger Auslassversuch lohnt sich, gegen maßvollen Konsum ist nichts einzuwenden.

Medikamente


Zahllose Medikamente können als Nebenwirkung Durchfall verursachen – einige häufiger, andere seltener, manchmal auch nur zu Beginn einer Therapie oder wenn die Dosis geändert wird. Die Diarrhö kann allerdings auch auf nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch zurückzuführen sein.

Paradebeispiel für arzneibedingte Diarrhöen durch nicht korrekte Anwendung sind Abführmittel. Durchfälle können hier bei (missbräuchlicher) Überdosierung geradezu gewollt sein, um schneller an Gewicht abzunehmen. Dies ist aber eine gesundheitsschädliche und daher zu unterlassende Strategie, denn sie bringt den Körper aus dem Gleichgewicht. Am besten zum Arzt und sich beraten lassen, wie das persönliche Wunschgewicht realistisch erreichbar ist. Wer der Meinung ist, dass es trotz vorschriftsmäßiger Einnahme eines ärztlich empfohlenen Abführmittels zu Durchfall gekommen ist, kann in diesem Fall die Dosis reduzieren, sollte sich aber sicherheitshalber mit dem Arzt absprechen.

Bekannt für Durchfall als Nebenwirkung sind auch Antibiotika. Diese Arzneimittel töten bestimmte  Erreger ab und verändern damit die natürliche Bakterienbesiedlung des Magen-Darm-Trakts. Dadurch können einzelne Keime überhand nehmen, zum Beispiel Clostridium difficile. In der Folge treten häufig Durchfälle und Fieber auf. Patienten, die mit Antibiotika behandelt werden, sollten bei einer Diarrhö die Einnahme der Medikamente aber auf keinen Fall eigenmächtig stoppen, sondern immer Rücksprache mit dem Arzt halten. Dieser klärt dann, wie bedeutsam der Durchfall ist und ob der Patient ein anderes Mittel erhalten muss.

Weitere Arzneimittel, die Durchfälle auslösen können, sind Magenmittel wie magnesiumhaltige Antazida, Anti-Parkinsonmittel wie sogenannte COMT-Hemmer, H2-Blocker (ebenfalls  Magenmittel), Buspiron (ein Medikament gegen Angststörungen), Chenodesoxycholsäure (wird zur Behandlung von Cholesteringallensteinen eingesetzt), Cholestyramin (bindet Gallensäuren und kann gegen Fettstühle wirken), Digitalispräparate (auch Herzglykoside genannt), Diuretika (wassertreibende Mittel), Eisenpräparate, nicht steroidale Antirheumatika (Entzündungshemmer), Lactulose (wird bei entgleisender Leberzirrhose eingesetzt), Psychopharmaka wie sogenannte SSRI (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) oder auch Lithium (wird zur vorbeugenden und ergänzenden Behandlung bei bestimmten psychischen Erkrankungen eingesetzt), sodann Zytostatika.

Lesen Sie den Beipackzettel, wenn Sie bei Diarrhö ein Medikament als Ursache vermuten, und lassen Sie sich vom Arzt beraten.

Strahlenbehandlung


Die Bestrahlung eines Organs im Bauch- oder Beckenraum wegen eines Tumorleidens kann den Darm – Dünndarm und Dickdarm – ab einer bestimmten Dosis schädigen. Das kann akut oder chronisch zu Durchfall führen.

Die Darmschleimhaut gehört zu den besonders strahlenempfindlichen Geweben. Schon wenige Tage bis zwei Wochen nach der Bestrahlung können hier entzündliche Schwellungen und Geschwüre auftreten (Frühschäden). Die Schleimhautschädigung bildet sich nach einiger Zeit zwar zurück. Doch können die Veränderungen in den tiefen Wandschichten des Darms langsam fortschreiten (siehe Kapitel „chronisch (2)“).

Weil Strahlen heute sehr gezielt eingesetzt werden, sind relevante „Kollateralschäden“ seltener geworden. Art und Dosis der Bestrahlung spielen immer eine Rolle, außerdem das Bestrahlungsfeld. Auch kann der Darm selbst das Bestrahlungsziel sein. Eine Chemotherapie kann die schädigenden Effekte verstärken.

Ist der Dünndarm akut von einer Strahlenschädigung betroffen, wird von einer Strahlenenteritis gesprochen, geht es um den Dickdarm, von einer Strahlenkolitis. Bei Strahlenschäden im Enddarm handelt es sich um eine Strahlenproktitis. Diese Schädigung wird im Bereich des Darms am häufigsten beobachtet.

Symptome: Bei der Strahlenenteritis kommt es zu Durchfall, Blut- und Schleimbeimengungen, Bauchschmerzen, Blähungen und Erbrechen. Abhängig von der Lokalisation und vom Grad der Schädigung werden Nährstoffe möglicherweise nur noch ungenügend aufgenommen. Über den Dickdarm gehen Flüssigkeit und Salze verloren. Dieser Zustand braucht einige Wochen, um wieder abzuklingen. Bei der Strahlenkolitis / -proktitis stehen neben Bauchschmerzen häufige, krampfartige Entleerungen, eventuell mit Blut und Schleim, im Vordergrund.
Diagnose: Begleitumstände und Beschwerden sind eindeutig. Eventuell wird eine endoskopische Untersuchung durchgeführt.
Therapie: Sie ist symptomatisch gegen den Durchfall, bei leichten Beschwerden diätetisch ausgerichtet. Arzneistoffe wie Loperamid und die Substanz Cholestyramin zur Bindung von Gallensäuren können die Diarrhö gegebenenfalls mildern. Milchzuckerfreie Nahrung wird möglicherweise besser toleriert als „normale“ Schonkost. Wichtig ist der Flüssigkeits- und Salzersatz. Bei stärkeren Beschwerden und Störungen der Nährstoffaufnahme wird der Arzt zügig eine vollständige künstliche Ernährung über die Blutbahn durchführen. Ist der Enddarm betroffen, so sprechen die Veränderungen meist auf entzündungshemmende Zäpfchen oder Klistiere mit 5-Aminosalicylsäure (5-ASA) oder Kortison an.

Gefäßverschluss des Darms


Wenn ein Blutgerinnsel in ein Gefäß gespült wird und es verstopft, ist es zu einer Embolie gekommen. Bei Gefäßverkalkung kann sich ein Blutpfropf an den Wandablagerungen abscheiden und so das Gefäß verschließen (Thrombose). Das alles passiert auch im Darm.

Der Verschluss eines Darmgefäßes heißt Mesenterial(arterien)infarkt. Bei einer Embolie stammt das Gerinnsel meistens aus dem Herzen oder aus der Hauptschlagader, der Aorta, während die Thrombose vor Ort an Verengungen entsteht. Hierbei spielt die Arteriosklerose eine wichtige Rolle. Nach einem Gefäßverschluss setzt in schneller Folge ein Schädigungsprozess des betroffenen Darmabschnitts ein. Der Vorgang ähnelt vom Ablauf her einem Herzinfarkt.

Was den Darm betrifft, so spielen sich Gefäßverschlüsse meistens in der oberen Mesenterialarterie ab. Betroffen sind überwiegend Menschen über 50 Jahre, häufiger Männer als Frauen. Schon bevor es zum Verschluss kommt, kann die Arteriosklerose zu Beschwerden im Bauch, der sogenannten Angina abdominalis, und zu Verdauungsproblemen mit Diarrhö und Gewichtsverlust führen (siehe Kapitel „chronisch 2“). Verkrampfungen der Darmgefäße ohne Verschluss können ebenfalls ein akutes Beschwerdebild verursachen.

Symptome: Ein Mesenterialinfarkt ist immer ein lebensgefährliches Krankheitsbild! Die kolik- und krampfartigen Bauchschmerzen, meist mit Diarrhö, sind so quälend, dass eine notfallmäßige Einweisung in eine Klinik gerechtfertigt ist, damit sofort eine gezielte Diagnostik durchgeführt werden kann. Trügerischerweise können die Schmerzen anfangs ohne weitere Behandlung für ein paar Stunden auch wieder nachlassen. Jedoch entwickelt sich in dieser Zeit meist schon eine beginnende Darmlähmung. Wenn der Gewebsuntergang die Darmwand durchsetzt, ist auch eine gefährliche Bauchfellentzündung möglich. Blutige Durchfälle und ein Schockzustand zeigen ein solches fortgeschrittenes Stadium und akute Lebensgefahr an.
Diagnose, Therapie: Entscheidend ist die rasche, gezielte Diagnostik, um die Ursache festzustellen und entsprechend zu behandeln. Eventuell und bei rechtzeitiger Diagnose kann der Verschluss mit einem geeigneten Eingriff wieder eröffnet werden. Notfalls muss der Chirurg das geschädigte Darmsegment entfernen.

Mehr dazu unter „Blut am After / aus dem Darm“, Kapitel „Ursachen im Enddarm, Dickdarm, Dünndarm“, Abschnitt „Gefäßerkrankungen des Darms“.



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www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 11.05.2012
Bildnachweis: iStock/endopack

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