Wenn es mit der Verdauung mal eine Zeit lang nicht so recht klappt, machen sich manche Menschen gleich Sorgen. „Es gibt aber keinen medizinischen Grund, warum der Darm mit einer bestimmten Häufigkeit entleert werden muss“, beruhigt der Gastroenterologe Professor Stefan Müller-Lissner, ärztlicher Direktor der Parkklinik Berlin-Weißensee. Eine chronische Verstopfung behandeln Ärzte erst, wenn beim Patienten ein Leidensdruck entsteht, der auf mindestens zwei Symptomen der sogenannten Rom-Kriterien beruht, erläutert der Experte.
Zu diesen Kriterien zählen das Pressen beim Stuhlgang, knolliger oder harter Stuhl und das Gefühl, dass der Darm nicht vollständig entleert werden konnte oder der Enddarm blockiert ist. Wenn diese Symptome bei mindestens jedem vierten Toilettengang auftreten, kann das ein Hinweis auf eine behandlungsbedürftige Verstopfung sein. Dies gilt auch, wenn über längere Zeit weniger als dreimal wöchentlich ein größeres Geschäft möglich ist. Manchmal gesellen sich noch weitere unangenehme Beschwerden wie Blähungen, Krämpfe oder Bauchschmerzen hinzu.
Bloß keinen Stress
„In vielen Fällen stecken andere Medikamente wie zum Beispiel starke Schmerzmittel aus der Gruppe der Opiate oder wassertreibende Mittel hinter einer Verstopfung“, sagt der Apotheker Maximilian Lernbecher aus Dachau. Viele Ärzte verschreiben ihren Patienten zu Opiaten vorsorglich auch entsprechende Abführmittel.
Häufig spielt aber die Psyche eine Rolle, wenn etwa Stress den Tagesablauf stört und man den Stuhlreflex aus Zeitnot immer wieder unterdrückt. Schließlich liebt der Darm eine gewisse Regelmäßigkeit. Ein Grund, warum manche Menschen stets im Urlaub Probleme bekommen: Die ungewohnte Umgebung, der Ekel vor fremden Toiletten oder die lange Zeit unterwegs, bis wieder ein stilles Örtchen verfügbar ist, haben zur Folge, dass nichts mehr geht.
Den Darm trainieren
Wer unter Verstopfung leidet, sollte zunächst seine Lebensweise überprüfen und versuchen, den Tagesablauf so zu strukturieren, dass kein Stress aufkommt. Wer zudem den Darm so trainiert, dass er jeden Tag zur selben Zeit auf die Toilette gehen kann, wird weniger Probleme haben.
Bei Verstopfung helfen kurzfristig auch Abführmittel (Laxanzien) aus der Apotheke, die meist gut verträglich sind. Die gängigsten Präparate enthalten Wirkstoffe wie Bisacodyl, Natriumpicosulfat oder Sennes. Macrogol oder Lactulose binden Wasser im Stuhl. In Zäpfchen und Klistieren stecken Substanzen wie Glyzerin, Paraffin oder osmotische Salze. Häufig werden auch Ballaststoffe wie Flohsamen oder Leinsamen eingesetzt.
Das geeignete Präparat finden
„Gegen eine gelegentliche Einnahme von Laxanzien kann man aus medizinischer Sicht nichts einwenden“, sagt Apotheker Lernbecher. Dieser Meinung ist auch Müller-Lissner: „Alle auf dem Markt befindlichen Abführmittel sind sicher, die Verträglichkeit ist aber von Patient zu Patient verschieden“, erläutert der Gastroenterologe. Daher ist es sinnvoll, die Auswahl stets in Absprache mit dem Arzt oder Apotheker vorzunehmen.
Hilfe bei Durchfall
Die wichtigste Regel lautet: viel trinken, um den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust auszugleichen. Optimal eignen sich dafür Elektrolyt-Präparate aus der Apotheke. Sie sind vor allem für Kinder unverzichtbar, aber auch für Erwachsene sehr nützlich. Akut helfen Arzneimittel mit dem Wirkstoff Loperamid, der die Darmbewegungen bremst. Hilfreich sind Tannin oder Extrakte aus der Uzarawurzel. Bei starkem Durchfall, wenn Blut oder Schleim beigemengt ist, Fieber oder Schmerzen auftreten, sollte unverzüglich der Arzt aufgesucht werden.
So wirken die Abführmittel im Dickdarm
Quellend
Präparate mit Flohsamen, Leinsamen oder den synthetischen Macrogolen wirken, indem sie aufquellen und im Darm ein größeres Volumen einnehmen. Der entstehende Druck auf die Darmwand löst schließlich den Stuhlreflex aus.
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Osmotisch
Nahezu alle Abführmittel bewirken auch, dass Wasser im Darm zurückgehalten wird oder sogar vom Körper in den Darm zurückströmt. So wird der Nahrungsbrei aufgeweicht und vergrößert, der Stuhlreflex schneller ausgelöst.
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Stimulierend
Zucker und Zuckeralkohole werden auch durch Darmbakterien zu Säuren abgebaut, welche die Darmmuskulatur anregen. Zugleich binden die Substanzen Wasser und vergrößern die Stuhlmenge.
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Lokal wirksam
Zäpfchen oder Klistiere mit Glyzerin oder Paraffin zeigen meist bereits nach etwa 10 bis 30 Minuten Erfolg. Weil sie nur in den letzten zehn Zentimetern des Enddarms wirken, gelten sie als besonders verträglich.
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Christian Krumm / Apotheken Umschau;
30.09.2011, aktualisiert am 30.09.2011
Bildnachweis: W&B/Szczesny, Jump/Sandkühler
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