Die meist akute Beschwerden auslösenden Krankheitsbilder, um die es hier geht, sind vor allem:
Kopfschmerzen treten nicht selten zusammen mit akuten Augensymptomen auf. Dies verdeutlicht das Beispiel Migräne.
Symptome: Typisch sind einseitige, anfallsartige starke Kopf- und Augenschmerzen, Aufscheinen eigenartiger zackenartiger Figuren vor dem Auge, Übelkeit, Brechreiz, Licht- und Lärmempfindlichkeit.
Weitere Informationen auch unter Gesichtsschmerzen, grüner Star (Glaukom; hier geht es vor allem um den Glaukomanfall) und rotes Auge.
An Hirnhautentzündung (Meningitis) erkranken in erster Linie Kinder und Jugendliche bzw. junge Erwachsene. Hauptursachen sind in industrialisierten westlichen Ländern inzwischen Infektionen mit Bakterien wie Meningokokken oder Pneumokokken. Andere Keime oder Erreger wie Viren, Pilze, Parasiten spielen eine geringere Rolle. Automimmun- und Krebserkrankungen sind weitere mögliche, aber ebenfalls seltenere Auslöser.
Zur Meningitis kann es beispielsweise kommen, indem Keime eine (eitrige) Infektion zunächst in der Nachbarschaft in Gang setzen, etwa im Ohr, Mastoid-Knochen (liegt gleich hinter dem Ohr), in einer Nasennebenhöhle. Von dort können sie dann in die Hirnhaut gelangen, wenn die Erkrankung nicht rechtzeitig bekämpft wird oder das Immunsystem stark geschwächt ist. Beziehung zum Auge: Auch ein Hornhautgeschwür, eine Endophthalmitis (siehe jeweils Kapitel „Ursachen am Auge“ in diesem Beitrag) oder eine Augenhöhlenentzündung (mehr dazu im Kapitel „Ursachen in der Augenhöhle“) können sich im Extremfall dramatisch zuspitzen und eine Hirnhautentzündung verursachen. Keime wie bestimmte Arten von Hämophlus influenzae (Typ b, kurz: Hib), die sich gerne ausbreiten (sie werden „invasiv“ genannt), finden relativ schnell Anschluss an Blutgefäße und können auf diesem Weg andere, bislang gesunde Organe erreichen – im vorliegenden Beispiel also die Hirnhaut und / oder bestimmte Hirnvenen (siehe unten). Dank der empfohlenen Hib-Schutzimpfung ist diese Infektion bei geimpften Kindern auf dem Rückzug.
Nur der Vollständigkeit halber sei ergänzt, dass Kopfverletzungen, etwa ein Schädelbasisbruch, über eine offene Verbindung zum Nasenraum nach Einreißen der Schutzhülle (harte Hirnhaut) ebenfalls eine Meningitis begünstigen können.
Symptome (Erwachsene): Lichtscheu als besondere Form des Augenschmerzes, Kopfschmerzen, steifer Hals/Nacken, Übelkeit, Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen, Fieber. Bei Blutvergiftung können unter anderem typische Hautflecken auftreten. Gesonderte Symptome verursachen Kopfverletzungen.
Spezielle Schlaganfall-Formen
An der Hirnbasis sind die Schlagadern über den sogenannten Circulus arteriosus miteinander verbunden. Hier kommen auch die meisten Hirnblutungen aufgrund eines Aneurysmas vor.
Unter einem Aneurysma versteht man eine Ausbuchtung der Gefäßwand an einer Schwachstelle. Die Wandschwäche kann auf Veranlagung, systemischen Bindegewebserkrankungen oder Schäden an den Gefäßen beruhen. Aggressive Feinde der Gefäße sind vor allem Arteriosklerose, Bluthochdruck und Rauchen. Die Schwachstellen finden sich häufig an Gefäßgabelungen. Ein kleines Aneurysma kann symptomlos bleiben. Im Laufe der Jahre kann es jedoch größer werden, auf das umgebende Gewebe drücken oder platzen. Letzteres kann gerade auch im Gehirn zu einer lebensgefährlichen Blutung führen, beispielsweise einer Subarachnoidalblutung. Je größer das Aneurysma, desto höher das Blutungsrisiko. Der Krankheitsverlauf ist unterschiedlich. Die Sterblichkeit beträgt mindestens 30 Prozent. Manch ein Betroffener erholt sich wieder recht gut.
Symptome (Warnzeichen, Hinweis auf eine mögliche Blutung = Notfall): Sehstörungen wie Doppelbilder, Verschwommensehen in der Nähe, weite Pupille, eventuell hängendes Oberlid, Sprachstörungen und andere Nervenausfälle, Kopf- und Augenschmerzen, die als „vernichtend“ wahrgenommen werden können, eventuell auch Schmerzen im Rücken oder an den Beinen, Lichtscheu, Nackensteifigkeit, Krämpfe, Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit.
Das seltene Krankheitsbild entspricht etwa einem Prozent aller Schlaganfallerkrankungen. Dabei verschließt ein Blutgerinnsel Venen im Gehirn (Thrombose), vor allem sogenannte Sammel- oder Sinusvenen. Bei einer durch Eitererreger eingeschleppten Entzündung kann es zu einer (septischen) Hirnvenen-Thrombose kommen. Der Begriff „septisch" bezieht sich auf Krankheitszeichen bei einer Blutvergiftung (Sepsis).
Wenn eine Hirnvenenthrombose durch ein Blutgerinnsel im Rahmen einer Gerinnungsstörung entstanden ist, können zum Beispiel hormonelle Faktoren den Ausschlag gegeben haben. Infrage kommen hier in erster Linie die Einnahme der Pille oder auch eine Schwangerschaft. Daher wird das wohlbemerkt sehr seltene Krankheitsbild tendenziell eher bei jungen Frauen als bei Männern beobachtet. Bei ihnen spielt die Behcet-Erkrankung (siehe Kapitel „Ursachen am Auge“, Abschnitt Uveitis) gelegentlich eine Rolle. Außerdem können alle Erkrankungen, bei denen es zu Thrombosen kommt, verantwortlich sein, beispielsweise bestimmte Bluterkrankungen oder Tumoren. Ansonsten sind Infektionen im Körper, also auch im Auge und Gehirn bzw. im Bereich der Hirnhaut (Meningitis, siehe oben) mögliche Auslöser einer dann septischen Thrombose.
Symptome: Kopf- und Gesichtsschmerzen, auch hinter dem Auge oder im inneren Augenwinkel zur Nase hin, Nervenausfälle (Lähmungen), Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen, bei infektiösem Hintergrund Fieber, Schüttelfrost und weitere Symptome je nach Art und Ausprägung..
Wandeinrisse in der Halsschlagader verursachen Durchblutungsstörungen im Kopfbereich. Schlaganfälle bei Menschen unter 50 Jahren lassen sich gelegentlich auch darauf zurückführen.
Der Einriss kann hier durch Gewalteinwirkung bei einer Verletzung entstehen oder wenn der Hals abrupt überstreckt wird, zum Beispiel beim Sport. Meistens gibt die Gefäßwand wegen eines Gewebefehlers nach, etwa einer fibromuskulären Dysplasie oder einer anderen Bindegewebserkrankung.
Symptome: Es kommt zu einseitigen Hals-, Nacken- und Gesichtsschmerzen, auch am Auge, oder zu Schmerzen im gesamten Kopfbereich auf der betroffenen Seite. Die Augen- und Zungenbeweglichkeit können gestört, die Lidspalte und Pupille verengt sein. Selten werden plötzliche Geschmacksstörungen in einem bestimmten Bereich der Zunge bemerkt. Manchmal tritt ein pulssynchrones Ohrgeräusch auf.
Achtung: Schlaganfälle sind Notfälle. Auch die Warnzeichen sollten Sie ernst nehmen und so bald wie möglich von einem Arzt kontrollieren lassen, selbst dann, wenn sie sich eventuell kurzfristug wieder zurückbilden. Am besten sollte der oder die Betroffene umgehend in einer neurologischen Klinik, idealerweise mit einer Spezialabteilung („Stroke Unit“), untersucht werden.
Eine akute Nebenhöhlenentzündung führt zu Schmerzen im Gesicht. Je nachdem, welche Nebenhöhle betroffen ist, werden die Schmerzen mehr an der Wange, am Oberkiefer oder an der Stirn empfunden, oder auch direkt oberhalb des Auges.
Falls die meist bakteriell bedingte Infektion auf das Auge übergreift, drohen weitere Komplikationen kommen. Entwickelt sich beispielsweise eine Knochenhautentzündung im Bereich der Augenhöhlenwand, führt das zu Schmerzen im inneren Augenwinkel, Lidschwellungen und heftigen Stirnkopfschmerzen.
Bildet sich ein eitriger Abszess zwischen dem Boden der Stirnhöhle und der Augenhöhle, schwillt das Lid massiv an, das Auge schmerzt, der Augapfel ist vorgewölbt und meistens auch schlechter beweglich, und es kommt zu Doppelbildern.
Gravierende Komplikationen sind eine Orbitaphlegmone oder ein Lidabszess, die als Hirnvenen-Thrombose (Symptome dieser Komplikation: siehe oben, ansonsten: Kapitel „Ursachen am Auge“) auch das Gehirn schädigen können. Alle diese Krankheitsbilder bedürfen der intensiven Behandlung in der Klinik.
Polypen oder Tumoren der Nebenhöhlen können ebenfalls zu Kopfschmerzen bzw. Schmerzen im Augenbereich führen. Falls ein bösartiger Tumor in die Augenhöhle hineinwächst, sind eine Vorwölbung des Augapfels, Schmerzen und Störungen der Augenbewegungen mit Doppelbildern möglich.
Avitale, tote Zähne mit Wurzelvereiterung im Bereich des Oberkiefers verursachen Zahnschmerzen, die bis in den Augenbereich ausstrahlen können. Die Vereiterungen können eine Knochenentzündung im Oberkiefer (Oberkiefer-Osteomyelitis) nach sich ziehen. Dazu führen mitunter aber auch ausgeprägte Zahnfleischerkrankungen, kieferchirurgische Eingriffe, Zahnextraktionen, Verletzungen und Knochenschädigungen (etwa nach Strahlenbehandlungen oder durch Medikamente). Die Knochenentzündung wiederum kann auf die Kieferhöhle übergehen. Komplikationen wie Blutvergiftung, Orbitaphlegmone (siehe oben) oder Hirnhautentzündung sind möglich, werden aber bei rechtzeitiger, gezielter Behandlung abgewendet. Anders gesagt: Durch die Möglichkeiten der antibiotischen Therapie und Schutzimpfungen wie zum Beispiel diejenige gegen den Keim Hämophilus influenzae b sind sie heute zum Glück viel seltener geworden. Allerdings können Krankheiten wie Diabetes (Diabetes Typ 1, Diabetes Typ 2), Leber- und Nierenerkrankungen oder eine Immunschwäche generell Infektionen begünstigen. Daher ist es wichtig, dass Betroffene bei Beschwerden alsbald zum Arzt gehen.
Symptome:
Knochenentzündung: Fieber, Schüttelfrost, Krankheitsgefühl, der Kieferknochen ist druck- und klopfempfindlich, die Umgebung stark geschwollen und schmerzhaft.
Übergreifen auf die Kieferhöhle: Wangenschmerzen, eventuell bis zum äußeren Augenwinkel hin, eitriger Schnupfen.
Hinter Schmerzen im Auge und am Oberkiefer kann auch eine Gesichtsneuralgie stecken (siehe unter Gesichtsschmerzen). Manchmal stellen Ärzte Fehlstellungen der Kiefer fest, eine sogenannte kraniomandibuläre Dysfunktion.
Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de;
25.06.2010, aktualisiert am 26.03.2012
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