Erkrankungen der Augenhöhle können die Lage und Beweglichkeit des Auges verändern und Schmerzen verursachen.
Hier die am häufigsten vorkommenden Krankheitsbilder – sie werden im Anschluss kurz erläutert:
Entzündungen von Augenmuskeln sind seltene Erkrankungen.
Sie können mit einer Skleritis oder Uveitis (siehe Kapitel „Ursachen am Auge“) verbunden sein, ansonsten bei der Basedow-Krankheit oder einfach auch im Rahmen einer Grippe oder anderer Infektionen auftreten. Auch bei einem „Pseudotumor“ der Augenhöhle kann sich eine Augenmyositis entwickeln. Mehr dazu weiter unten. Gefragt ist zunächst der Augenarzt, der bei Verdacht auf eine auslösende innere Erkrankung einen Internisten hinzuzieht.
Symptome: Die Augenbewegungen sind schmerzhaft. Bei einer anderen Krankheitsursache kommen Symptome in dieser Richtung vor, eventuell auch Allgemeinbeschwerden wie Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen.
Eine Sehnervenentzündung tritt häufiger im Zusammenhang mit einer multiplen Sklerose auf. Aber es gibt auch andere Ursachen.
Ob der Sehnerv am Augenhintergrund im Bereich des Sehnervenkopfes (Papille) entzündet ist (sogenannte Papillitis) oder aber in seinem weiteren Verlauf hinter dem Augapfel (Retrobulbärneuritis), kann der Augenarzt nur teilweise direkt erkennen. Bei der Augenspiegelung sieht er nämlich nur die Papille, während der hinter dem Auge liegende Anteil des Nerven – somit auch eine Retrobulbärneuritis – sich dem untersuchenden Blick entzieht. In diesem Fall hilft dem Arzt aber die Beurteilung der Pupillenreaktion weiter.
Häufigste Ursache einer Retrobulbärneuritis im Erwachsenenalter ist eine multiple Sklerose (MS). Die Sehnervenentzündung kann hier ein Frühsymptom sein. Auch bei schubartigem Verlauf der MS gehört sie zu den Beschwerden. An MS erkranken häufiger Frauen im Alter zwischen dem 20. und 49. Lebensjahr. Jedoch entwickelt sich nur bei einem Teil von ihnen eine Sehnervenentzündung.
Im Gegensatz zur Retrobulbärneuritis kommt eine Papillitis häufiger bei Kindern vor. Ursache sind meistens Virusinfekte der oberen Atemwege. Die Entzündung entwickelt sich dann in der Regel auf beiden Seiten.
Eine ausgeprägte Retrobulbärneuritis behandeln Ärzte mit Kortison. Es bessert meistens die Beschwerden schnell. Nach Absetzen des Medikamentes können jedoch Rückfälle auftreten. Ob sich die Entzündung ansonsten auch spontan zurückbildet, was bei einer Sehnervenentzündung generell oft der Fall ist, hängt unter anderem von der Ursache ab. Im Einzelnen richtet sich die Therapie nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Neben der MS sind das Infektionen mit Hepatitis- und Herpes-Viren, sodann mit Bakterien wie Streptokokken, Salmonellen, Borrelien, Brucellen, mit dem Syphilis-, Tuberkulose- und Malaria-Erreger, außerdem Vergiftungen, und häufig auch Autoimmun- und andere Systemerkrankungen, etwa die Behcet-Erkrankung oder eine Neuromyelitis optica (Devic'sche Erkrankung, ähnelt der multiplen Sklerose).
Darüber hinaus können Entzündungen in der Nachbarschaft des Auges auf den Sehnerven übergreifen. Auch Diabetes mellitus spielt eine Rolle. Vergiftungen sind eine weitere mögliche Ursache.
Symptome: Ist der Sehnerven hinter dem Augapfel entzündet, verursacht das dumpfe Schmerzen hinter einem oder beiden Augen, vor allem bei Augenbewegungen. Dabei sind auch unangenehme Lichtblitze möglich. Innerhalb kurzer Zeit kommt eine erhebliche Sehstörung dazu: ein dunkler Fleck vor den Augen, der einem Gesichtsfeldausfall in der Mitte (Zentralskotom) entspricht. Innerhalb von vier Wochen verschwinden die Augenschmerzen meistens wieder. Das Sehvermögen kann sich erholen, aber auch beeinträchtigt bleiben, zum Beispiel in Teilbereichen wie Farbensehen und Kontrastschärfe. Bei einer Papillitis treten vor allem Sehstörungen „in der Mitte des Sehens“ auf, bei Druck auf die Augen mit der Hand auch dumpfe Schmerzen.
„Schmerzhafte Ophthalmoplegie“ lautet eine weitere Bezeichnung dieser Erkrankung. Es bildet sich knötchenartiges Gewebe (Granulome) um Augennerven herum oder in der Augenhöhle.
Die Granulome zeigen sich in Magnetresonanztomografie-Bildern. Mögliche Auslöser oder Begleiter des Syndroms wie Gefäßentzündungen, eine Sarkoidose, Diabetes mellitus, eine Hirnhautentzündung an der Hirnbasis oder Tumoren wird der Arzt sorgfältig ausschließen.
Symptome: Auf einer Gesichtsseite treten Schmerzen im Bereich der Augenhöhle auf, also hinter dem Auge oder in seiner Umgebung. Die Schmerzen können sich wiederholen und so unbehandelt einige Wochen lang dauern. Zeitgleich oder innerhalb von zwei Wochen nach Einsetzen der Schmerzen kommt es zu Lähmungserscheinungen im Bereich der Hirnnerven. Daher die zweite Bezeichnung „schmerzhafte Ophthalmoplegie“ („ophthalmo-“ steht für Auge, „-plegie“ bedeutet (schlagartige) Lähmung). Nach Einnahme von Kortison verschwinden die Beschwerden schnell.
Der Pseudotumor der Orbita entspricht einem entzündlichen Gewebe unbekannter Natur, das von allen Weichteilschichten der Augenhöhle ausgehen kann. Da die Erkrankung eine Geschwulst vortäuscht, wird sie „Pseudotumor“ genannt.
Ärzte unterscheiden einen sogenannten granulomatösen (entspricht dem Tolosa-Hunt-Syndrom, siehe oben), lymphoiden und sklerosierenden Gewebetyp. Pseudotumoren können akut, mäßig akut oder chronisch in Erscheinung treten. Gleichzeitig entwickeln sich Krankheiten wie der Morbus Basedow, entzündlich-rheumatische Gefäßerkrankungen wie eine Peri- (bzw. Panarteriitis) nodosa oder Wegener-Granulomatose, eine Amyloidose, bei der sich krankhafte Eiweißverbindungen in verschiedenen Organen ablagern, oder ein Lupus erythematodes (rheumatische Bindegewebserkrankung). Mittels gezielter Diagnostik und Gewebeentnahme schließt der Arzt einen echten Tumor und eine entzündliche Erkrankung aus. Das krankhafte Gewebe kann dabei meist mitentfernt werden. Granulomatöse Formen sprechen auch oft auf Kortison an.
Symptome: Das Krankheitsbild macht vielfältige Beschwerden, da die unterschiedlichsten Strukturen der Augenhöhle beteiligt sein können. So tritt manchmal eine akute schmerzhafte „Augenentzündung“ auf, oder es wird aufgrund der Vorwölbung des Augapfels ein „Tumor“ in der Augenhöhle vorgetäuscht. Falls Muskel- („Myositis“) oder Sehnengewebe (Tenonitis) involviert ist, können die Augenbewegungen wegen Schmerzen eingeschränkt sein.
Wie überall im Körper, so bilden sich auch in der Augenhöhle (Orbita) Tumoren – überwiegend gutartige.
Der Begriff „Tumor“ bedeutet Schwellung. Insofern zeigt sich auch eine entzündliche Gewebeschwellung als „Tumor“, genauer: Pseudotumor (siehe oben). Die Tumoren entstehen entweder in der Orbita selbst, oder sie wachsen vom Auge aus ein. Mit Schleim und Eiter gefüllte Schleimhautzysten (Mukozelen) in der Stirnhöhle können die Wand zur Augenhöhle hin vorwölben und so ebenfalls eine sich ausbreitende Geschwulst nachahmen. Auch Töchtergeschwülste anderer, in diesem Fall bösartiger Tumoren, kommen in der Augenhöhle vor. Sie stammen häufiger von einem Brust-, Lungen-, Prostata- oder Nierenkrebs oder von einem Krebs im Verdauungstrakt ab. Oder es handelt sich um Tumore des Blut- und Lymphsystems. Tumore der Augenhöhle können alle Altersgruppen betreffen.
Symptome allgemein: Ein Tumor, der in der Augenhöhle liegt, kann Schmerzen bei Augenbewegungen machen, wenn er die Augenmuskeln oder Nerven bedrängt. Letzteres kommt zum Beispiel bei bestimmten Krebsformen der Tränendrüse vor. Durch Schwellungen oder Zunahme des Gewebes tritt das Auge wegen Platzmangels aus seiner Höhle hervor. Die kosmetisch beeinträchtigende Vorwölbung ist eines der häufigsten Symptome bei Tumoren der Augenhöhle. Es folgen Sehstörungen wie Gesichtsfeldausfälle oder Abnahme der Sehkraft, wenn der Sehnerv geschädigt ist, Doppelbilder und Schielen, sodann Tränenfluss.
Einer der häufigsten Augentumoren ist das Retinoblastom. Es tritt ausschließlich bei Kindern vor dem fünften Lebensjahr auf, und zwar ein- oder beidseitig. Erbliche oder spontane Genveränderungen veranlassen unreife Netzhautzellen, unkontrolliert zu wachsen. Molekularbiologische Untersuchungen können Aufschluss über das Erkrankungsrisiko in der Familie geben, zum Beispiel bei Geschwistern eines erkrankten Kindes. Früh und intensiv behandelt, ist der Tumor heute heilbar.
Symptome: Zunächst kann er eine Entzündung mit einem geröteten und schmerzhaften Auge vortäuschen. Das Auge kann auch unauffällig sein, außer dass bei bestimmten Lichtverhältnissen die Pupille merkwürdig weiß leuchtet (Leukokorie). Tumorbedingt können ein grüner Star (Glaukom) oder eventuell eine Entzündung in der Augenhöhle entstehen und jeweils Schmerzen auslösen. Sehverschlechterung kann zur Schielstellung führen.
Eine gewisse Tendenz zum Übertritt in die Augenhöhle hat das seltene Melanom der Uvea. Es tritt an der Iris, am Strahlenkörper oder – am häufigsten – in der Aderhaut auf. Das Aderhautmelanom entsteht aus pigmenthaltigen Zellen, die normalerweise das Auge vor Sonnenlicht schützen. Wer ständig hoher UV-Strahlung ausgesetzt ist, hat ein erhöhtes Risiko. Betroffen sind meistens ältere Menschen.
Symptome: Anfangs fehlen Beschwerden. Im Laufe der Zeit kann es zu Mückenschwärmen vor dem Auge, unscharfem Sehen oder Gesichtsfeldausfällen kommen. Ein Aderhautmelanom kann selten einmal auch einen schmerzhaften „Glaukomanfall“ auslösen. Geht es auf die Augenhöhle über, sind unter anderem Schmerzen hinter dem Auge möglich.
Weitere Informationen unter schwarzer Hautkrebs (Melanom) und Augentumore.
Phlegmone bedeutet eine bakterielle Entzündung des Weichteilgewebes. Solches Gewebe findet sich auch in der Augenhöhle. Eine Vereiterung geht hier meistens von einer entsprechenden Entzündung in der Nachbarschaft aus.
Den Anfang machen häufig die Nebenhöhlen, seltener eine entzündete Tränendrüse, ein Gesichtsfurunkel (eitrige Haarbalgentzündung) oder eine Infektion im Oberkiefer (siehe unten). Zu den Auslösern gehören auch Verletzungen, etwa ein Bruch des Gesichtsschädels (Orbitafraktur), selten nur Operationen am Auge. Gelegentlich liegt der Ausgangspunkt der Vereiterung in einem bakteriellen Infektionsherd im Körper, wenn der betroffene Patient schwer krank und / oder sein Immunsystem stark geschwächt ist.
Zu den häufigsten Erregern zählen Staphylokokken. Bestimmte Typen bewohnen als normale Flora die Haut und Augenbindehaut. Finden sie eine Eintrittspforte ins Gewebe, können sie erhebliche Probleme machen, etwa eine Phlegmone. Nach Verletzungen können auch Bodenkeime wie Bacillus cereus ins Auge eindringen, bei Infektionen – beispielsweise im Harn- und Geschlechtstrakt – Erreger über das Blut einwandern. Hämophilus influenzae (Hib) tendiert dazu, ungeschützte Säuglinge und Kleinkinder zu infizieren. Er ist ein besonders gefürchteter Keim, der vor der Impfära häufig lebensbedrohliche Lungen-, Kehlkopf- und Hirnhautentzündungen verursachte. Durch die offiziell empfohlene Schutzimpfung haben Hib-Infektionen im Kindesalter viel von ihrem Schrecken verloren. Der Keim ist aber keineswegs ausgerottet. Mögliche schwerwiegende Komplikationen bei bakteriellen Infektionen der Augenhöhle: Ausbreitung im gesamten Auge (Endophthalmitis, siehe Kapitel „Ursachen im Auge“), Blutvergiftung, Hirnvenenthrombose (siehe Kapitel „Ursachen in der Umgebung des Auges“). Es bedarf jeweils der umfassenden Behandlung in einer Augenklinik.
Symptome: Schweres Krankheitsbild mit erheblichen Schmerzen des Auges und seiner Umgebung, mithin Kopfschmerzen. Der ganze Bereich ums Auge ist massiv gerötet und geschwollen, einschließlich der Lider. Außerdem tritt das Auge hervor, ist schlechter beweglich und schmerzt beim Bewegen. Die Bindehaut ist aufgequollen und gerötet. Der Betroffene sieht Doppelbilder, hat Fieber und wirkt sehr krank.
Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de;
25.06.2010, aktualisiert am 26.03.2012
Bildnachweis: W&B/ Szczesny
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