Arteriosklerose – also Gefäßverkalkung – und die Folgen, etwa Bluthochdruck, sind Volkskrankheiten. Das Tückische: Spürbare Beschwerden, etwa am Auge, macht der Bluthochdruck meistens erst dann, wenn er schon fortgeschritten ist und Gefäße geschädigt hat. Umgekehrt ist es bei einer Gefäßentzündung namens Arteriitis temporalis Horton: Sie macht sich schon frühzeitig mit starken Kopfschmerzen und Sehstörungen bemerkbar. Auch wenn sie zu den häufigsten Formen einer Arteriitis gehört, kommt sie im Vergleich zu Bluthochdruck viel seltener vor. Gemeinsam haben beide Krankheitsbilder, dass sie das Sehen massiv gefährden können.
Den Schlusspunkt dieses Kapitels und Beitrags über mögliche Ursachen von Augenschmerzen bildet die weiter unten noch kurz erwähnte psychische Problematik namens Konversionsstörung.
Bluthochdruck schädigt die Gefäße nachhaltig. Die Netzhautgefäße bilden hier keine Ausnahme. Daher kann ein lange Zeit erhöhter Blutdruck das Sehen bedrohen. Außerdem ist Bluthochdruck der Hauptrisikofaktor für einen Schlaganfall.
Der Blutdruck lässt sich, falls ein Messgerät zur Hand ist, gut selbst kontrollieren. Bei krisenhaft entgleisten Werten und „verdächtigen“ Beschwerden ist unbedingt ein Arzt hinzuzuziehen.
Geht es einem Betroffenen sehr schlecht (siehe unten), kann es auch notwendig sein, gleich den Notarzt zu rufen. Der Arzt wird entscheiden, ob die weitere Behandlung ambulant oder besser in einer Klinik durchgeführt werden sollte. Auf jeden Fall muss der Druck vorsichtig, aber zielstrebig gesenkt werden, um besonders empfindliche Organe wie Augen, Gehirn und Herz vor akuten Schäden zu bewahren.
Symptome: Ein entgleister Bluthochdruck kann sich mit starken Kopfschmerzen oder Schmerzen im Bereich der Augen, Einblutungen im Auge, Sehstörungen, Schwindel, Brust- bzw. Herzschmerzen, Herzjagen, Angst, Unruhe, Übelkeit und Brechreiz bemerkbar machen.
Mehr dazu unter Bluthochdruck (Abschnitt „Therapie“) und Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck.
Wichtig: Bluthochdruck liegt bei Messwerten ab 140/90 mm Hg vor. Kontrollieren Sie als Betroffene/r Ihre persönlichen Druckwerte regelmäßig selbst. Gleichen Sie die Messungen von Zeit zu Zeit auch mit den Kontrollen bei Ihrem Arzt ab. Ob ein Blutdruck entgleist ist, ergibt sich aus den aktuellen Messwerten, die aber auch im Verhältnis zu den durchschnittlichen, individuellen Druckwerten beurteilt werden, und aus akut auftretenden Zeichen des Unwohlseins bzw. Beschwerden, wie sie zu einem „krisenhaft“ zu hohen Blutdruck passen (siehe oben).
Diese sehr häufige Gefäßerkrankung spielt sich vorzugsweise an Ästen der äußeren Halsschlagader ab. Betroffen sind insbesondere die Augenarterien. Unbehandelt kann das Auge erblinden.
Die Erkrankung kommt überwiegend bei Frauen im Alter über 50 Jahren vor. Die Wand des betroffenen Gefäßes ist durch und durch entzündet, es verödet. Dadurch kommt es zu Durchblutungsstörungen am Sehnervenkopf, der gewissermaßen einen Infarkt erleidet. In der Folge verkümmern Sehnervenfasern (ischämische Optikusneuropathie). Dann kann schon in relativ kurzer Zeit Erblindung drohen. Sind Hirngefäße entzündet, kommt es möglicherweise zum Schlaganfall.
Schon bei Verdacht auf die Erkrankung behandelt der Arzt sofort mit Kortison. Die Diagnose wird parallel durch eine Gewebeprobe aus der Schläfenarterie gesichert.
Symptome: Akute Sehverschlechterung, Schleiersehen, Gesichtsfeldausfall, starker Kopfschmerz, Schmerzen beim Kauen, dadurch auch ungewollter Gewichtsverlust, Fieber, depressive Verstimmung, Nachtschweiß, leichtes Fieber. Verdächtig: verdickte, verhärtete, mitunter pulslose Schläfenarterien.
Ob Augenschmerzen eine psychiatrische Erklärung finden, also in den Zusammenhang einer Psychose eingeordnet werden müssen, bleibt der Diagnose durch einen Nervenarzt vorbehalten.
Er wird dann dem oder der Betroffenen geeignete therapeutische Lösungen vorschlagen. Zuvor müssen Augenerkrankungen oder andere Krankheitsursachen, wie sie in diesem Beitrag angesprochen werden, ausgeschlossen worden sein. Dies alles koordiniert der Hausarzt.
Eine Konversionsstörung ist eine psychisches Krankheitsbild, das sich mit körperlichen Symptomen äußert, für die sich keine Ursachen feststellen lassen. Manchmal kann zu einem früheren Zeitpunkt eine ähnliche Krankheit vorgelegen haben. Das Krankheitsbild äußert sich in vielfältiger Weise und wird auch „dissoziative Störung“ genannt, da sich die Zusammenhänge zwischen seelischen und körperlichen Vorgängen auflösen. Die Betroffenen bewältigen einen neurotischen Konflikt dabei unbewusst, indem sie ihn isolieren und auf eine (eventuell schon bekannte) körperliche Erkrankungsebene verlagern. In diesem Zusammenhang können Augenschmerzen, Sehstörungen und andere Ausfallerscheinungen auftreten. Bei manchen Formen können sich außer Sinnesstörungen auch krankhaft veränderte Wahrnehmungen und Veränderungen der Persönlichkeit einstellen.
Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de;
25.06.2010, aktualisiert am 26.03.2012
Bildnachweis: W&B/archivberlin/RYF
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