Etwa jeder dritte Deutsche hat einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zufolge Angst vor dem Fliegen. Meist fürchten sich die Passagiere vor turbulenten Situationen wie Sturm oder Gewitter. „Die Bandbreite der Symptome reicht dabei vom einfachen Unwohlsein bis zu massiven Panikattacken“, erklärt der Diplom-Psychologe Sascha Thomas. Der Münchner Flugangst-Experte unterstützt Angstpatienten in speziellen Seminaren. Wenn sich die Geräusche bei Start oder Landung, beim Durchstarten oder – klassisch – bei Turbulenzen verändern, wird es vielen Passagieren mulmig.
Eine echte Flugangst entwickle sich oft erst mit zunehmender Flugerfahrung, erklärt der Psychologe. Sogar Geschäftsleute, die schon lange und häufig geflogen sind, können plötzlich ins Zittern geraten. Oft liegt ein einschneidendes Erlebnis den Ängsten zugrunde. „Das kann eine negative Erfahrung während eines Fluges sein, aber auch ein anderes Ereignis wie der Verlust eines geliebten Menschen – oder sogar eine Geburt“, sagt Sascha Thomas. Frauen würden sich in der Folge schneller ängstigen, da sie sich für das Baby verantwortlich fühlen.
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Wenn die Angst überhandnimmt, sodass selbst das Einsteigen in eine Maschine nicht mehr möglich ist, oder wenn die Probleme auch in der U-Bahn oder auf einem hohen Gebäude auftreten, sollten Betroffene psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Alternativ bieten sich Flugangst-Seminare an. In leichteren Fällen bekommt man das ungute Gefühl oft selbst in den Griff:
Vor dem Flug
Wenn Gedanken an den Flug Unbehagen verursachen, hilft Bewegung. „Dadurch lässt sich das Adrenalin abbauen“, erklärt Psychologe Sascha Thomas. Auch am Flughafen könne man Treppen hinauf- und hinuntersteigen, um sich zu bewegen. Hilfreich sei es zudem, sich rechtzeitig um einen geeigneten Sitzplatz zu kümmern – zum Beispiel mit dem Online- oder Vorabend-Check-in. Ideal sind Plätze über den Tragflächen, da man dort die Bewegung des Flugzeugs am wenigsten spürt. Ein Sitzplatz am Gang schützt vor dem Gefühl der Enge.
Beim Einsteigen
Die Kabinenbesatzung ist im Umgang mit ängstlichen Passagieren geschult. Wer schon beim Einsteigen das Bordpersonal über seine Ängste informiert, bekommt entsprechende Unterstützung.
Während des Fluges
Hilfreich ist Ablenkung durch einfache Tätigkeiten wie Spielen oder Lesen. „Es darf aber nicht zu viel geistige Leistung erforderlich sein“, weiß Thomas. Wichtig sei es auch, immer mal wieder aufzustehen und sich zu bewegen, solange die Anschnallzeichen nicht leuchten. Zudem sollten Flugreisende generell viel Wasser trinken und auf Alkohol eher verzichten. Auch leichte Mahlzeiten seien sinnvoll, rät Thomas. Das signalisiere dem Körper, dass keine Gefahr besteht. Besonders hilfreich sind Atemübungen oder Entspannungstechniken wie die progressive Muskelrelaxation. Entsprechende Kurse bieten zum Beispiel Volkshochschulen an. Medikamente wirken dagegen nur kurzfristig, ohne die Ursache zu beheben. Sie sollten unbedingt nur nach Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Manchmal lindern pflanzliche Mittel mit Extrakten aus Baldrian oder Passionsblume die Angst.
Nach dem Flug
Belohnen Sie sich nach der überstandenen Strapaze mit einer Kleinigkeit, die Sie sich sonst vielleicht nicht gönnen würden. So bleibt Ihnen der Flug in positiver Erinnerung.
Christian Krumm / Apotheken Umschau;
11.07.2011, aktualisiert am 02.11.2011
Bildnachweis: Corbis GmbH/Gabe Rogel
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