Liegt unsere Körpertemperatur in der Komfortzone von 36 bis 37 Grad, schlafen wir in der Regel gut, atmen tief und entspannen uns schnell: Wärme bedeutet sich wohlfühlen. Ein ausgeglichener Wärmehaushalt erhält und stärkt das vegetative Gleichgewicht. Er ist außerdem eine Voraussetzung dafür, dass unser Stoffwechsel funktioniert.
„Der menschliche Körper braucht eine gewisse Temperatur, damit Wachstums- und Regenerationsprozesse stattfinden können“, sagt Professor Thorsten Doering, Ärztlicher Direktor der Deutschen Klinik für Integrative Medizin im sächsischen Bad Elster.
Wärme regt die Durchblutung an, das Gewebe wird besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, was beispielsweise lokale Abwehrmechanismen in der Schleim haut aktiviert. Sie verringert die Spannung in Muskel- und Bindegewebe und erhöht dessen Dehnbarkeit.
„Wärme wirkt prinzipiell wohltuend bei Schmerzen, die von der Wirbelsäule und den Gelenken ausgehen und die nicht von einer Entzündung herrühren“, sagt Dr. Rainer Brenke, Chefarzt für Naturheilverfahren an der Hufeland-Klinik in Bad Ems (Rheinland-Pfalz).
Typische Indikationen sind Schmerzen im unteren Rücken oder im Nacken. Aber auch bei Entzündungen außerhalb des akuten Schubs haben sich Wärmeanwendungen bewährt – zum Beispiel bei chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen oder Asthma.
Selbst bei internistischen Erkrankungen wie Bluthochdruck hat Wärme eine günstige Wirkung. „Will man die Kreislaufregulation verbessern, sollte Wärme jedoch immer mit einem abschließenden Kaltreiz kombiniert werden“, rät Brenke. Denn nur wechselnde Reize trainieren die Anpassungsfähigkeit der Gefäße.
Die meisten Menschen empfinden Wärmeanwendungen als äußerst angenehm. Für manche sind sie jedoch tabu: zum Beispiel für Personen, die unter akuten Entzündungen leiden, zu Ödemen neigen, eine Hauterkrankung oder eine ausgeprägte Kreislaufschwäche haben. Auch Diabetiker mit verminderter Nervenempfindlichkeit sollten bei heißen Wickeln oder Güssen Vorsicht walten lassen: Ihr Temperaturempfinden ist gestört, und sie verbrennen und verbrühen sich eher als Gesunde.
Hilfe da, wo es wehtut
Ein klassisches Hausmittel bei Alltagsbeschwerden ist die Behandlung mit „lokal angewendeten Wärmeträgern“, beispielsweise der Wärmflasche. Sie hilft bei örtlich eingrenzbaren Problemen wie Hexenschuss oder Bauchkrämpfen während der Menstruation. „Eine Wärmflasche wirkt manchmal besser als eine Schmerztablette“, sagt Doering.
Wer den bewährten Wärmespeicher als unangenehm empfindet, kann ein Kirschkernkissen oder einen Kartoffelwickel auf die schmerzende Stelle legen. Auf Reisen und im Büro helfen bei Muskelschmerzen spezielle Wirkstoffpflaster, die bis zu acht Stunden auf der Haut bleiben. Die darin enthaltenen Substanzen lösen einen Wärmereiz aus. Nach dem gleichen Prinzip wirken Wärmesalben, die zum Beispiel Cayennepfeffer enthalten.
Physiotherapeuten verwenden häufig mit heißem Wasser getränkte, aufgerollte Handtücher („heiße Rolle“), um das Bindegewebe vor einer Massage zu lockern. Im Wellness-Bereich werden dafür heiße Steine aufgelegt („Hot Stone“-Therapie). Ein Heusack, ein Wickel oder Auflagen bringen dosierte Wärme an die richtige Stelle.
Eine intensivere Wärmezufuhr garantieren Packungen mit erhitztem Moor, Schlick oder Schlamm, die es auch für den Hausgebrauch in der Apotheke gibt. Stark durchblutungsfördernd und schmerzlindernd wirken lokale Behandlungen mit Ultraschall, etwa bei Muskelverspannungen oder vernarbtem Gewebe. Infrarotstrahlung unterstützt den Heilungsprozess bei Nasennebenhöhlen- und Augenentzündungen.
Den ganzen Körper aufheizen
Viele Menschen schätzen die positive Wirkung von Ganzkörper-Wärmeverfahren auf die Gelenke und zur Entspannung. Vollbäder beispielsweise oder heiße Luft in Sauna- und Dampfbädern helfen beim Abschalten und lindern Schmerzen. Die in der finnischen Sauna auf bis zu 100 Grad aufgeheizte Luft reizt die Wärmesensoren aber stark, was empfindliche Menschen als unangenehm empfinden können.
„Eine mildere Form der Wärmezufuhr ist die Therapie mit Infrarotstrahlen“, sagt Rainer Brenke. Diese dringen bei der Behandlung in der 40 bis 50 Grad warmen Infrarot-Kabine oder auf der Wärmeliege durch die obersten Hautschichten ein, sodass eine wohltuende Wärme im Körper erzeugt wird.
Eine Studie des Deutschen Instituts für Gesundheitsforschung in Bad Elster hat gezeigt, dass eine solche Ganzkörper-Hyperthermie bei Patienten mit Fibromyalgie – einer nichtentzündlichen Schmerzerkrankung – die Schmerzschwelle erhöht.
Vorübergehend gab es Bedenken, die kurzwelligen Infrarot-A-Strahlen könnten die Haut schädigen. Untersuchungen der Charité Berlin, der Johannes-Gutenberg- Universität Mainz und der Universität Stuttgart-Hohenheim haben dies allerdings widerlegt.
Ute Essig / Apotheken Umschau;
25.10.2010
Bildnachweis: Argus Bildarchiv/Schroeder, Corbis GmbH/Layne Kennedy
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