Nachlassende Kräfte, ein hilfsbedürftiger Partner, ein viel zu großes Haus, Angst vor Vereinsamung. Es gibt verschiedene Gründe, warum sich Menschen im Alter noch einmal nach einer neuen Wohnung umsehen. Betreutes Wohnen erscheint ihnen oft vielversprechend.
Man lebt in den eigenen vier Wänden und hat doch die Möglichkeit, Hilfe zu beanspruchen oder mit den Mitbewohnern Kontakte zu pflegen. Wer sich für diese Wohnform entscheidet, sollte sich vor dem Umzug gut informieren.
„Die Angebote, die unter dem Titel ,betreutes Wohnen‘ laufen, unterscheiden sich sehr“, sagt Ursula Lenz von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO). „Das gilt sowohl für die Organisationsform als auch für Art und Umfang der Hilfen.“
In einer Studie der Universität Augsburg zeigten sich zwei Drittel der Bewohner zufrieden mit diesem Wohnkonzept. Doch es gab auch Unzufriedene: Jeder Zehnte bereute den Umzug bitter. Mindestens die folgenden Fragen sollten daher geklärt sein, damit aus dem betreuten kein bereutes Wohnen wird.
Was wird geboten?
„Als Standard gilt eine barrierefreie Wohnung. Es sollte einen Ansprechpartner geben, der auch regelmäßig anwesend ist“, sagt die Sozialwissenschaftlerin Ursula Kremer-Preiß vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA). Dessen Aufgabe: Beratung, Information, Vermittlung von Dienstleistungen und Organisation von gemeinschaftlichen Unternehmungen. „Auch Räume für gemeinsame Aktivitäten sollten vorhanden sein.“
Die Kriterien sind seit 2006 in der DIN-Norm 77800 festgelegt. Sie gilt als freiwillige Qualitätskontrolle und Orientierungshilfe für Anbieter und Interessenten. Anders als bei einer Heimunterkunft gibt es für betreute Wohnformen keine gesetzliche Grundlage. Der Haken dabei: Bislang sind nicht allzu viele Anbieter zertifiziert. In jedem Fall müssen die Angebote und Verträge sorgfältig geprüft werden.
Einige Einrichtungen – meist teure Häuser – bieten noch mehr, zum Beispiel ein eigenes Restaurant, ein Schwimmbad oder einen Fitnessraum. Standard ist das nicht. Wenn Wahlleistungen angeboten werden wie eine Putzhilfe, ein Wäschedienst oder ein Hausnotruf, müssen diese von den Bewohnern extra bezahlt werden.
Für wen eignet es sich?
Wenn sich die bisherige Wohnung nicht zu einer barrierefreien umbauen lässt, kann das betreute Wohnen eine geeignete Alternative sein. Auch Menschen ohne Angehörige schätzen die Sicherheit, die ein einen Ansprechpartner bietet, und freuen sich über Kontakte zu gleich alten Menschen.
„Seinen Haushalt muss man jedoch selbstständig führen können“, sagt Ursula Kremer-Preiß. „Viele Häuser nehmen Personen, die dazu nicht mehr in der Lage oder die pflegebedürftig sind, gar nicht auf.“ Derzeit liegt das Durchschnittsalter der Bewohner bei 78 Jahren. Interessenten sollten vor dem Einzug klären, welche Möglichkeiten bestehen, wenn sie später einmal intensive Pflege brauchen.
Worauf sollten Sie achten?
„Der Begriff ,betreutes Wohnen‘ garantiert keine bestimmten Leistungen“, erklärt BAGSO-Sprecherin Ursula Lenz. „Vergleichen Sie deshalb Angebote und Kosten ganz genau.“ Vorsicht vor Fallstricken: „Da werden Wohnungen als barrierearm oder altersgerecht beschrieben, und es fehlt doch der Aufzug, um in die zweite oder dritte Etage zu kommen“, warnt Expertin Ursula Kremer-Preiß.
Überlegen Sie schon, bevor Sie sich einzelne Angebote anschauen: Wo möchten Sie wohnen? Ein Leben in ländlicher Umgebung ist ruhig und erholsam, kann aber auch einschränken, wenn die Mobilität nachlässt. Wie günstig liegen Geschäfte, Bank, Post, Arzt und Apotheke, ein nettes Café, Grünanlagen oder kulturelle Angebote?
Besichtigen Sie die Anlagen der engeren Wahl einschließlich der Umgebung, verlassen Sie sich nicht allein auf schöne Prospekte. Prüfen Sie den Mietvertrag sorgfältig. Ist er unbefristet? Falls die Wohnung einem privaten Eigentümer gehört, sollte eine Kündigung wegen Eigenbedarfs ausgeschlossen sein.
Was kostet es?
In der Regel haben Sie zwei Vertragspartner: den Vermieter und den Betreuungsträger. Sowohl bei der Miete als auch beim Betreuungsvertrag ist die Kostenspanne groß. Häufig liegt der Mietpreis über dem ortsüblichen Durchschnitt, denn für eine barrierefreie Ausstattung oder für Gemeinschaftsräume fallen höhere Kosten an.
Kremer-Preiß rät: „Liegt die Kaltmiete mehr als 20 bis 30 Prozent über dem ortsüblichen Mietspiegel, sollten Sie sehr genau prüfen, ob das Angebot diesen Preis rechtfertigt.“ Bedenken Sie auch, dass die Kosten mit zunehmendem Alter und wachsendem Hilfsbedarf weiter steigen können.
Gibt es Alternativen?
Für eine barrierearme Wohnung müssen Sie nicht unbedingt umziehen. Wohnberatungsstellen informieren Sie kostenlos, wie sich die eigenen vier Wände sturzsicher und altersgerecht umbauen lassen. Hausnotrufsysteme und ambulante Pflegedienste erleichtern es, in der eigenen Wohnung zu bleiben.
Wer Vereinsamung fürchtet, kann die Angebote städtischer Seniorenzentren oder ehrenamtlicher Initiativen nutzen. Wachsendes Interesse finden auch gemeinschaftliche Wohnformen wie Mehrgenerationenhäuser, bei denen sich die Bewohner gegenseitig unterstützen.
Infos und Adressen:
Erkundigen Sie sich rechtzeitig nach entsprechenden Anlagen. Viele Gemeinden verfügen über Broschüren regionaler Projekte. Wohlfahrtsverbände und private Träger informieren über eigene Angebote.
Allgemeine Informationen und eine ausführliche Checkliste für das betreute Wohnen erhalten Sie bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) Bonngasse 10, 53111 Bonn Telefon: 02 28/2 49 99 30 Internet: www.bagso.de (www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für Inhalte externer Internetseiten)
Mehr Informationen zum Wohnen im Alter erhalten Sie auch auf unserer Seite www.senioren-ratgeber.de unter "altersgerecht Wohnen".
Maria Haas, Apotheken Umschau;
24.05.2011
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