Wir quälen den Crosstrainer und meiden die Sahnetorte. Wir geben Treppe und Fahrrad den Vorzug vor Fahrstuhl und Auto. Das ist er uns wert, der schlanke Auftritt an Baggersee und Nordseestrand. Und natürlich rackern wir uns auch zugunsten unserer Gesundheit ab. Doch wäre es nicht wunderbar, die Bikinifigur ohne so großen Aufwand zu definieren? Dieser Gedanke kam auch einigen Forschern. Auf der Suche nach einer Lösung stießen sie auf das braune Fettgewebe.
In der Substanz "Fett" vermuten wahrscheinlich die wenigsten einen zuverlässigen Partner im Kampf gegen überschüssige Pfunde. Das liegt daran, dass es in zwei verschiedenen Varianten auftritt. Allseits bekannt ist die weiße Version. Sie bildet sich, wenn Menschen Bewegung und gesunde Ernährung vernachlässigen und stattdessen bei Tisch stets ordentlich zulangen. Dann legen sich Fettzellen zäh und träge um unsere Hüften und auf den Bauch. Nur unter starkem Körpereinsatz lassen sich diese wieder zum Schmelzen bewegen. Abnehmen ist keine leichte Aufgabe.
Braunes Fettgewebe hingegen ist aktiv. Es übernimmt im Körper eine ofenähnliche Funktion. Unter enormem Kalorienverbrauch produziert es Wärme und schützt uns so vor Unterkühlung. Diese Eigenschaft ist vor allem bei Babys wichtig. Sie können noch nicht bibbernd zittern. Auf diese Weise hält sich der erwachsene Körper warm. Deshalb vermuteten Mediziner auch lange Zeit, dass nur Säuglinge über diese dankbaren und praktischen Zellen verfügten. Doch nun ist klar: Auch viele Erwachsene besitzen braunes Fettgewebe.
Mediziner weltweit haben ihre Studien diesem Stoff gewidmet. So setzte der schwedische Forscher Sven Enerback von der Universität Göteborg fünf Freiwillige in einen kalten Raum. Mit Hilfe tomografischer Methoden zeigte er, dass alle Probanden in der Kälte aktives, braunes Fett besaßen. Dieses sitzt vor allem zwischen den Schulterblättern und im Nacken. Zurück in einem warmen Raum konnte Enerback das Gewebe nicht mehr abbilden.
Niederländische Mediziner fanden in einer 24 Personen umfassenden Studie bei 23 Probanden braunes Gewebe. Nur bei dem schwersten von den Freiwilligen konnten sie nichts entdecken. Das bestätigt auch die Vermutung, dass dünne Menschen mehr von dieser Fettsorte besitzen als dickere. Außerdem tragen Frauen durchschnittlich mehr davon als Männer mit sich und jüngere mehr als die Alten.
In Zukunft würden Ärzte braunes Fett gerne medizinisch nutzen. Es soll als neue Waffe im ewigen Kampf gegen Übergewicht und Diabetes fungieren. In einem Versuch mit Mäusen hat das bereits geklappt. Und zwar trotz einer extrem hochkalorischen Ernährung der Nager. Angeblich soll bereits eine Injektion von 50 bis 100 Gramm des besonderen Fettes einem Menschen helfen, im Jahr zwischen 4 und 5 Kilogramm zu verlieren. Doch gibt es einen einfacheren Weg? Leider können wir uns die dunklen Zellen nicht anfuttern, so wie ihr weißes Pendant.
Wissenschaftler überlegen, ob es möglich ist, unser braunes Fett mit einem Medikament zu aktivieren. Die Abnehmwilligen können schließlich nicht geschlossen in die Antarktis geschickt werden – womöglich auch noch auf Krankenkassenkosten. Ein weiterer Plan ist es, braunes Fett zu entnehmen, im Labor zu vermehren und dem Patienten dann wieder einzusetzen. Leider gibt es noch keine abschließenden Ergebnisse. So lange helfen wir uns mit den altbewährten Abnehm-Tricks: Gesunde Ernährung und viel Bewegung.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
18.08.2009, aktualisiert am 24.01.2012
Bildnachweis: Fotolia/Gordon Bussiek/2009
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