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Abnehmen mit speziellen Schuhen, geht das?

Schuhe, die beim Abnehmen helfen, die Koordination stärken und Muskeln aufbauen? Was von den dicken Sohlen wirklich zu halten ist

Wenn man einen Menschen auf zentimerterdicken Sohlen durch die Fußgängerzone stapfen sieht, dann liegt die Vermutung nahe, dass man es mit einer fußkranken Person zu tun hat. Die zweite Erklärung wäre: Ein Technojünger hat seine Plateau-Treter aus den Neunziger Jahren noch einmal aus dem Schrank geholt.

Und es gibt noch eine weitere Möglichkeit. Vielleicht steht ein Mensch vor Ihnen, der einfach, ohne besondere Rücksicht auf die Optik, seinem Körper etwas ganz besonders Gutes tun möchte. Immer mehr Hersteller verkaufen spezielle Schuhe, die mit einer sehr dicken, vorne und hinten abgerundeten Sohle dem Träger verschiedene gesundheitliche Vorteile versprechen.



Das Prinzip: Dicke, abgerundete Sohle mit weichen Einsatz

So sollen die Schuhe beispielsweise die Muskelaktivität steigern, die Koordination fördern und beim Abnehmen helfen. Und manche Modelle sollen gar Cellulite vorbeugen und einen straffen Po formen. Sieht man einmal großzügig von den optischen Nachteilen ab, klingt die Idee ja eigentlich wunderbar. Aber darf man den Versprechungen der Hersteller wirklich trauen?

Scheinbar sind die dick besohlten Schuhe tatsächlich gar nicht so verkehrt. Allerdings ist dabei zu beachten, dass es sich nicht um eine Alltags-, sondern um einen Funktionsschuh handelt. "Wir haben es mit einer Art Trainingsgerät zu tun", so Dr. Norbert Becker, Orthopädischer Facharzt aus Tübingen, der unter anderem auch dem Bundesverband der Schuhindustrie in medizinischen Fragen berät.

In den beschriebenen Schuhen steht der Träger auf einer stabilen Sohle. Darunter befindet sich eine dicke Zwischenschicht, die am hinteren Teil sehr weich, und zusätzlich vorne und hinten abgerundet ist. "Dadurch fordert das Fußkleid dem Läufer spezielle Bewegungen und Funktionen ab", erklärt Becker. Laut Hersteller zwingt das neuartige Laufwerkzeug den Menschen zu einem aufrechten Gang. Für Experte Becker klingt das sogar plausibel.

Durch die weiche Sohle steht man auf den Schuhen relativ wackelig da. Um das auszugleichen, ist Muskelarbeit notwendig. Das Prinzip soll an das ursprüngliche und natürliche Laufen erinnern. "Noch unsere Großeltern sind oft barfuss über weichen Wiesengrund spaziert", so Professor Albert Gollhofer, der die Schuhe mit der dicken Sohle an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg untersucht hat.

"Heutzutage bewegen wir uns aber die meiste Zeit über harte, von Menschenhand geschaffene Bodenbeläge", bemängelt Gollhofer. Dadurch haben viele Menschen verlernt, ihre Gelenke vernünftig zu stabilisieren. Unsere normalen Schuhe nehmen uns viel Muskelarbeit ab, diesen Umstand sollen die weichen Sohlen ausgleichen. Auch der Sportwissenschaftler Gollhofer steht den innovativen Schuhen positiv gegenüber. Vor allem ältere Menschen fallen oft gefährlich hin. Seiner Erfahrung nach, steigert das bewusste Laufen unter anderem die Standstabilität und kann Stürzen vorbeugen.

Und für wen sind die Schuhe geeignet? "Für fast alle Menschen", so Becker. Er schließt nur diejenigen aus, die die neue Gehbewegung einfach nicht erlernen können oder die mit ihren Füßen nicht in die Schuhe hineinkommen. Außerdem seien sie ungeeignet für Patienten, die mit der Muskulatur des Schienbeins Probleme haben. Dieser Bereich wird durch das extreme Abrollen besonders beansprucht. Bei Überbelastung kann das zu gesundheitlichen Schäden führen.

Und wie soll man die Schuhe tragen? "Es handelt sich um keinen Alltagsschuh. Und genausowenig um einen Sportschuh, in dem man beispielsweise joggen geht", so Becker. Man sollte die Schuhe gezielt tragen. So wie man eine Stunde Fahrrad fährt oder wandern geht, läuft man eine bestimmte Zeit in ihnen herum. Zu Anfang, und vor allem wenn man untrainiert ist, reicht oft schon eine halbe Stunde aus. Die Dauer kann man dann langsam steigern.

Sinnvoll ist auch eine kurze Anleitung vor der ersten Trainingseinheit. Die Verkäufer im Fachgeschäft sind in der Regel ausgebildet, um das spezielle Schuhwerk zu erklären. "Vielen Menschen fällt die Umstellung der Gangart gar nicht so leicht", warnt Dr. Inga Krauß, Sportwissenschaftlerin und Physiotherapeutin an der Universität Tübingen. Sie hat die Schuhe bereits vor fünf Jahren zusammen mit ihrem Team getestet.

Und wie sieht es nun mit dem Abnehmen aus? "Die intramuskuläre Koordination und Reizweiterleitung wird zweifelsohne trainiert, das ist wissenschaftlich bewiesen", so auch Pia Pauli, die Abteilungsleiterin für den Bereich Freizeit, Fitness und Gesundheitsmedizin beim Deutschen Turnerbund. "Aber ob man mit den Schuhen wirklich abnimmt – da bin ich eher skeptisch." Und Orthopäde Becker ist sich sicher, dass man vom bloßen Tragen der Schuhe kein Kilo verlieren wird. "Dafür muss man sich immer noch ordentlich bewegen und darf nicht zu viel essen!"



Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 23.04.2010, aktualisiert am 10.01.2012
Bildnachweis: W&B/Jörg Neisel

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